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Was Trump für Hedgefonds bedeuten könnte

Die Welt schaut gebannt auf die Irrungen und Wirrungen des US-Präsidenten. Hedgefonds könnten davon profitieren, trotz der scheinbaren Ruhe an den Märkten.

Man könnte fast Mitleid haben mit dem US-Präsidenten. Viele der jüngsten Vorgänge würden nicht einmal in einer Fernsehserie wie etwa House of Cards glaubwürdig erscheinen. Die Entlassung des Direktors des Federal Bureau of Investigation (Bundeskriminalamt, FBI) gehört zweifellos dazu. Dito die Bestellung eines Sonderstaatsanwalts um die möglichen Beziehungen zwischen Trumps Wahlkampfstab und Russland zu untersuchen. Und dass der Sonderstaatsanwalt ausgerechnet der Vorgänger des entlassenen Direktors ist? Das würde man keinem Drehbuchautor durchgehen lassen. Ist Trump das Opfer einer politischen Hexenjagd, so wie er es selber gesagt hat? Oder hat er die Justiz behindert, wie kürzlich die New York Times in der Überschrift eines Leitartikels fragte?

So oder so, unsere Empfehlung ist dieselbe: man sollte gelassen bleiben, zumindest fürs Erste. Frank Kelly, Head of Public Affairs Americas bei der Deutschen Bank, bringt es gut auf den Punkt: "Sofern es keine handfesten Belege für eine schwere Straftat gibt, bleibt eine Amtsenthebung sehr unwahrscheinlich. Jedes Amtsenthebungsverfahren müsste im Repräsentantenhaus beginnen. Dort müsste man erst eine Mehrheit finden. Erst dann könnte die Sache im Senat weiterverfolgt werden. Im Grunde spielt das Repräsentantenhaus da eine ähnliche Rolle wie ein Staatsanwalt. Und der Senat? Der würde bei solch einem Verfahren die Geschworenen darstellen." Eine Amtsenthebung liegt da noch in weiter Ferne, weil die Republikaner beide Häuser kontrollieren.

Während Washington zaudert…

Etwas haben die jüngsten Enthüllungen aber schon die Stimmung an der Wall Street gedrückt. Denn am Markt stellt man verständlicherweise die Frage, ob es mit dem "Trump Trade" nun endgültig vorbei ist. Die Frage kommt natürlich reichlich spät. Denn eigentlich war das von Anfang an ein Fehlbegriff.

Der sogenannte "Trump Trade" hat letztes Jahr ja schon lange vor den Wahlen begonnen. Da ging es von Anfang an mehr um die Hoffnung, dass Wachstum und Inflation anziehen. Und nicht so sehr um die Frage, wer Präsident wird. Man schaue nur mal auf den Anstieg an den weltweiten Aktienbörsen. Der begann in etwa ab Mitte 2016, also genau, als auch Zinssätze und Inflationserwartungen anzogen.

Die US-Wahlen verstärkten da nur bereits recht weit fortgeschrittene Trends. Das lag übrigens gar nicht so sehr an Trump selbst. Meine Kollegen aus anderen Bereichen unseres Hauses zeigten das ja schon letzten November auf. Die größte Überraschung war damals nämlich, dass sich die Republikaner nicht nur das Weiße Haus, sondern auch gleich die Macht im Kongress sicherten.

Die Anfang 2017 durchaus noch recht plausible Hoffnung war, dass der neugewählte Präsident vielleicht tatsächlich seine Gesetzesvorhaben rasch umsetzen könne. Aber nach den Problemen mit der Gesundheitsreform schwinden die Hoffnungen an den meisten Fronten. Mit höheren Infrastrukturausgaben oder Steuerkürzungen wird es nun wohl dauern. Einzig in der Entschlackung des übermächtigen Staates kann man langsam erste Lichtblicke erkennen. Das dürfte aber nicht die Enttäuschungen ausgleichen, falls Trump sonst keine Ergebnisse liefern kann. In der Tat bleiben wir besorgt, dass es schwerer wird, eine sinnvolle Unternehmenssteuerreform durchzusetzen. Wir erwarten weiterhin, dass eine Unternehmenssteuerreform bis Ende des Jahres durchgeführt wird, aber die Unsicherheit um dieses Hauptszenario herum hat sich erhöht.

… suchen die Märkte immer mehr nach Richtung

Trump allein die jüngste Abschwächung der Aktienmärkte anzulasten ist allerdings genauso irreführend, wie ihm den "Trump Trade" zuzuerkennen. Denn Trump war wieder nur der Auslöser. Es hat weniger mit den täglichen Schlagzeilen über den Präsidenten zu tun, als mit der Tatsache, dass vom erhofften Wachstums- und Inflationsschub in den USA ohnehin mittlerweile weniger zu spüren ist. Die Zinssätze bewegen sich seit Dezember seitwärts und der US-Dollar schwächelt.

Der Kursanstieg an den Aktienmärkten im ersten Quartal wurde zwar auch von soliden Fundamentaldaten gestützt, die auf den starken US-Arbeitsmarktbericht im Januar folgten. Insbesondere die US-Unternehmensberichtssaison war stark. Noch besser sah es aber bei den europäischen Firmengewinnen aus. Da war ja im abgelaufenen Quartal die größte Aufwärtskorrektur in den vergangenen 5 Jahren zu beobachten. Gleichzeitig verringerte sich das gefühlte politische Risiko nach den französischen und niederländischen Wahlen. Dazu kamen dann noch die starken globalen Makrodaten im Allgemeinen, und in China im Besonderen. Das half dann riskanteren Anlageklassen generell.

Was bedeutet all dies für Hedgefonds?

Vor diesem Hintergrund hat sich das Umfeld für Hedgefonds verbessert, die sich vor allem auf die Auswahl von Einzeltiteln spezialisieren. Dabei hilft, dass wir nun wieder niedrigere Korrelationen und größere Bandbreiten sehen, wenn man z.B. einzelne Aktienpaare vergleicht. Dies hat uns erlaubt, den Ausblick für Equity-Market-Neutral-Strategien auf positiv anzuheben. Equity-Long/Short-Strategien haben wir ebenfalls angehoben. Allerdings nur auf neutral, weil sich unser Ausblick für die Richtung des Aktienmarkts etwas eingetrübt hat.

Und wie sieht es mit Merger Arbitrage aus? Da muss man zunächst einmal sehen, dass die Übernahmeprämien nun im Schnitt relativ mager sind. Auch die Zahl von Unternehmensübernahmen und -zusammenschlüssen ist deutlich gesunken, ebenso das gesamte Transaktionsvolumen, wenn auch weniger. Daraus ergibt sich eine Anpassung, die wiederum erklärt, warum der Ausblick für Event-Driven-Strategien nur neutral ist.

Was uns zu dem wohl Wichtigsten führt: der Volatilität. Natürlich taucht diese in der Bewertung vieler unserer beobachteten Trading-Strategien auf. Zum Beispiel deuten, die geringen Übernahmeprämien auf ein gewisses Maß an Selbstgefälligkeit hin.

Gleichzeitig bleiben wir bei unserem positiven Ausblick für Diskretionäre Makrostrategien. Wir erwarten nämlich, dass sich die Marktvolatilität doch eher früher als später von den ungewöhnlich niedrigen Ständen erholen könnte, die man derzeit an den Aktienmärkten beobachtet. Davon würden auch Strategien von Commodity Trading Advisors (CTAs) profitieren. Natürlich sind der Zeitpunkt und der unmittelbare Anlass eines Volatilitätsanstiegs schwer vorhersehbar. Weitere Probleme für Trump sowie Rückschläge im Zusammenhang mit den Brexit-Verhandlungen wären plausible Ursachen. Aber auch eine anhaltend geringe Volatilität sollte nicht ausgeschlossen werden.

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