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Leichte Quellwolken

Ungewöhnlich hohe politische Unsicherheit auf beiden Seiten des Atlantiks. Und trotzdem geringe Volatilität an den Finanzmärkten. Wie passt das zusammen?

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Editorial

Multi Asset

Nach den überraschenden Wahlergebnissen des letzten Jahres und im Vorgriff auf weitere politische Risiken wie die französischen Präsidentschaftswahlen erweisen sich die Finanzmärkte als ungewöhnlich robust. Diese erstaunliche Tatsache ist auch einigen der weltweit wichtigsten Zentralbanker nicht entgangen.

Wie etwa die Bank of England in der jüngsten Veröffentlichung ihres Financial Policy Committee anmerkte, „scheint sich das hohe Maß an Unsicherheit in vielen Industrieländern nicht vollständig in den Kursen (...) oder in der tatsächlichen Marktvolatilität, die gedämpft bleibt, niederzuschlagen.“

Taktisches Management gibt den Ausschlag

Auch die implizite Aktienmarktvolatilität bleibt trotz gelegentlicher vorübergehender Schwankungen niedrig. Gleichzeitig erscheinen die Aktienbewertungen, vor allem in den Vereinigten Staaten, unverändert hoch, und die Positionierung vieler Anleger nicht gerade vorsichtig.

Vor diesem Hintergrund stellen sich zwei Fragen: Die einfachere behandelt die Positionierung unserer Multi-Asset-Portfolios. Die Volatilität verharrt auf historisch niedrigem Niveau und bietet unverändert Chancen für lange Derivategeschäfte, um von als unwahrscheinlich angesehenen Ereignissen zu profitieren. Unsere Prognosen reflektieren für viele Assetklassen nur moderate Total-Return-Aussichten. Die Makrodaten sind derzeit relativ positiv, trotz erster Anzeichen überzogener Erwartungen bei den Indikatoren wirtschaftlicher Überraschungen. So sehen wir auf Jahressicht ausgehend vom aktuellen Niveau für Aktien Gewinne nur im mittleren einstelligen Bereich. Direktional versuchen wir, das Gesamtrisiko im Lauf des Quartals zu reduzieren.

Dies impliziert jedoch nicht eine sofortige Risikoverringerung. Stattdessen handeln wir konträr, um taktische Anpassungen vorzunehmen. Weiterhin robuste Märkte machen eine gewisse Korrektur umso wahrscheinlicher. Auf eine derartige Korrektur würden wir mit Zukäufen reagieren. Besonders Europa könnte sich als gut positioniert erweisen, wenn politische Risiken weiter schwinden.

Hier den richtigen Zeitpunkt zu finden ist natürlich nie leicht. Dies bringt uns zur zweiten und schwierigeren Frage, die sich auf die längerfristig erwartete Volatilität bezieht.

Relativ ruhig – vorerst

Bei der tatsächlich realisierten Volatilität an den Aktienmärkten und verwandten Segmenten ist in den letzten Jahren ein deutlicher Abwärtstrend zu beobachten. Eine plausible Erklärung hierfür liefert die Geldpolitik. Investoren haben sich daran gewöhnt, dass die Zentralbanken bei Marktturbulenzen eingreifen. Dies führte zu historisch niedrigen Zinsen und hohen Aktienmarktbewertungen – wodurch das künftige Ertragspotenzial zwangsläufig geschmälert wird. Unmittelbar nach der ersten Zinserhöhung der Fed ist die Volatilität an den Anleihemärkten bereits gestiegen.

Somit dürften die Staatsanleiherenditen vorerst, wenn auch moderat, steigen, sobald die Zentralbanken die ersten Schritte zum Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik einleiten. Unternehmensanleihen dürften unterstützt bleiben, da die Renditejagd unvermindert anhält. Liquidität ist nach wie vor der Schlüssel zum Erfolg; deshalb bevorzugen wir eine Barbell-Strategie bei festverzinslichen Anleihen mit erhöhter Cash-Allokation auf der einen Seite und höher rentierlichen Anlagen wie Schwellenländer-Anleihen auf der anderen.

Aus längerfristiger Sicht ist die Tatsache, dass sich Zentralbanker selbst über die von ihnen mitverursachte niedrige Volatilität wundern, kaum positiv zu deuten. Die Anlegernachfrage nach Ertragswerten dürfte die höhere Volatilität sicherlich etwas ausgleichen. Niedrige Volatilität liefert außerdem kaum taktische Hinweise. Sie könnte Anleger dazu veranlassen, entweder zu früh konträr zu handeln – oder zu spät, mit ernsthaften Auswirkungen auf das Portfoliorisiko. Dabei darf nie vergessen werden, dass weder Zentralbanken noch andere politische Entscheidungsträger Risiko auf alle Zeit beseitigen können.

Volatilität bleibt an den US-Aktienmärkten niedrig, ...

Volatilität bleibt an den US-Aktienmärkten niedrig

Quellen: FactSet Research Systems Inc., Deutsche Asset Management Investment GmbH; Stand 02/2017

... ist aber bei US-Staatsanleihen schon gestiegen

Volatilität ist aber bei US-Staatsanleihen schon gestiegen

Quellen: FactSet Research Systems Inc., Deutsche Asset Management Investment GmbH; Stand 02/2017

In Europa bleibt die Aktienmarktvolatilität niedrig

In Europa bleibt die Aktienmarktvolatilität niedrig

Quellen: FactSet Research Systems Inc., Deutsche Asset Management Investment GmbH; Stand 02/2017

Allokation

Wir werden etwas vorsichtiger

Aktienengagement wird leicht zurückfahren; bei Anleihen bevorzugen wir höher verzinsliche Anlagen.

Nach dem guten Jahresbeginn sind die Total-Return-Erwartungen insgesamt begrenzt. Aufgrund hoher Bewertungen sind vorübergehende Korrekturen wahrscheinlich. Bei einem leicht reduzierten Aktienengagement favorisieren wir Europa und Schwellenländer.

Bei festverzinslichen Anlagen empfehlen wir unverändert kurze Duration. Staatsanleihen bleiben untergewichtet, allerdings etwas weniger stark, weil wir nur mit einem langsamen Ansteigen der Zinsen rechnen. Festverzinsliche Unternehmensanleihen dürften gut unterstützt bleiben, aber das Spreadumfeld muss im Licht diverser Zentralbankkommentare genau beobachtet werden. Wir empfehlen eine Barbell-Strategie mit höheren Allokationen in liquiden festverzinslichen und höher rentierlichen Anlagen, besonders von Schwellenländern.

Bei Rohstoffen sehen wir zyklische Titel positiv und aus Multi-Asset-Sicht Gold als wertvolle Diversifizierung.

Die hier dargestellte Vermögensaufteilung entspricht einem ausgewogenen Modellportfolio. Sie ist nicht unbedingt für jeden Anleger geeignet und kann jederzeit und ohne Vorankündigung geändert werden. Alternative Anlagen sind mit diversen Risiken behaftet, nicht unbedingt für jeden Anleger geeignet und für jedes Portfolio verfügbar. Quelle: Multi Asset Group, Deutsche Asset Management Investment GmbH; Stand: 29.03.2017

Aktienengagement wird leicht zurückfahren; bei Anleihen bevorzugen wir höher verzinsliche Anlagen.

Indikatoren

Eitel Sonnenschein?

Insgesamt signalisieren die Indikatoren ein konstruktives Bild, aber Unsicherheiten bleiben.

Das aktuelle Finanzmarktumfeld zeigt ein überwiegend freundliches Bild. Unsere Multi-Asset-Indikatoren reflektieren das. Besonders positive Signale kommen von der makroökonomischen Seite. Gestützt durch starke Fundamentaldaten steigt der Makro-Indikator seit Herbst 2016 stetig an und lässt durch seine nach wie vor hohen Werte eine konstruktive makroökonomische Ausgangslage erkennen. Die nach der US-Wahl beobachtbare Euphorie wurde kürzlich leicht gemindert, da Zweifel an der zeitnahen Umsetzung der Politik des amerikanischen Präsidenten Trump aufgekommen sind. Dies spiegelt sich auch im Verlauf des Risiko-Indikators wider. Der war kontinuierlich gestiegen, ist aber am aktuellen Rand leicht gesunken. Er befindet sich jedoch immer noch auf einem hohen Niveau. Bei einem Blick auf den Surprise-Indikator zeigt sich, dass die Datenveröffentlichungen gegenüber dem Analystenkonsens zuletzt in Europa tendenziell negativ überrascht haben. Dagegen bleiben die Überraschungen der Daten in den USA und Asien stabil positiv. Insgesamt zeichnen die drei Indikatoren ein positives Gesamtbild, trotz leichten Rücksetzern von Risiko- und Surprise-Indikator.

Makro-Indikator

Konsumentenvertrauen, Handelsstatistiken, Arbeitslosenzahlen: In den Makro-Indikator fließt eine Vielzahl von Daten ein.

Makro-Indikator

Quelle: Deutsche Asset Management Investment GmbH; Stand: 24.03.2017

Risiko-Indikator

Unser Risiko-Indikator ist ein Gradmesser für die aktuelle Risikoneigung der Teilnehmer an den Finanzmärkten.

Risiko-Indikator

Quelle: Deutsche Asset Management Investment GmbH; Stand: 24.03.2017

Surprise-Indikator

Der Surprise-Indikator misst, wie stark Konjunkturdaten von den Erwartungen abweichen.

Surprise-Indikator

Quelle: Deutsche Asset Management Investment GmbH; Stand: 24.03.2017

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