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Was man aus Frankreichs Wahl lernen kann

Macron ist auf der Zielgeraden, doch seine Herausforderungen fangen erst an. Die Wahl hat auch für den Rest Europas Bedeutung. Wir stufen europäische Aktien hoch.

Macron hat's geschafft. Was kann er jetzt schaffen?

Manchmal kommt am Wahltag alles auch so wie erwartet. Genau das ist bei den französischen Präsidentschaftswahlen passiert. Von Anfang an wirkte Emmanuel Macron wie ein Kandidat, der im ersten Wahlgang wohl ganz gut abschneiden würde. Zu früheren Zeiten hätte er es allerdings eher erst nach mehreren Anläufen in den Élysée-Palast geschafft – vielleicht in 20 Jahren.

Stattdessen deutet nun alles darauf hin, dass Macron in zwei Wochen gewinnen wird. Dabei hat sein Talent als Wahlkämpfer geholfen. Aber auch zwei andere Faktoren, die man nicht nur aus Frankreich kennt.

Erstens zeigt der Sieg Macrons, wie ermüdet die beiden traditionellen Großparteien der Rechten wie der Linken sind. In Frankreich fehlte es beiden zu Beginn des Wahlkampfs an Ideen und Glaubwürdigkeit. Dazu kamen bei François Fillon Korruptionsvorwürfe. So reichte sein Versuch, mit Reformideen zu punkten, am Ende nur für einen enttäuschenden 3. Platz und weniger als 20 Prozent der Stimmen. Benoît Hamon, der offizielle Kandidat der sozialistischen Partei des scheidenden Präsidenten François Hollande, brachte es nur auf Platz 5, mit gerade einmal sechs Prozent.

Zweitens flirten die Wähler in Zeiten wie diesen offenbar weiter gern mit radikalen Vorschlägen von sowohl rechter als auch linker Seite. Immerhin hat Marine Le Pen 21 Prozent erhalten und zieht nun in die Stichwahl. Jean-Luc Mélenchon hat es beinahe unter die Top drei und auf fast 20 Prozent geschafft. Aber: flirten heißt noch lange nicht heiraten. Die französischen Wähler schienen und scheinen nicht bereit, den Populisten das „Ja“-Wort zu geben. Man wählt sie aus Protest, aber man will sie (noch) nicht an der Macht.

Wir würden erwarten, dass sich in den kommenden zwei Wochen traditionelle Politiker jeglicher Couleur hinter Macron stellen. Zusammen mit den Wählerpräferenzen sollte er damit klare Vorteile im zweiten Wahlgang haben. Es würde dann auch auf eine gute Startposition bei den Parlamentswahlen für seine Bewegung aus dem politischen Zentrum En Marche! im Juni hinauslaufen.

Bloß wäre es für eine so neue Gruppierung schon ein enormer Erfolg, auch nur einige Dutzend Sitze zu gewinnen. Aufgrund des komplexen französischen Wahlsystems wird En Marche! sich schon während des Wahlkampfs auf diverse Kuhhandel mit anderen Parteien einlassen müssen. Angesichts des absehbaren Chaos in den traditionellen Parteien wird das viel politisches Geschick erfordern. Auch regieren wird nicht leicht. Ein zersplittertes Parlament, ohne stabile Mehrheiten, scheint wahrscheinlich. Da wird es dann Koalitionen der einen oder andern Art bedürfen.

Macron hat sich als talentierter Wahlkämpfer erwiesen. Nun kommt die eigentliche, deutlich schwierigere Aufgabe auf ihn zu: zu beweisen, dass er seine Versprechen erfüllen kann, Frankreich wieder innovativer, schlanker und wettbewerbsfähiger zu machen.

Erleichterung am Markt; Hochstufung europäischer Aktien

Aus Marktsicht war das ein erfreuliches Ergebnis. Am Montagmorgen sah man bereits starke Anzeichen für eine höhere Risikobereitschaft der Anleger. Im Detail heißt das für die einzelnen Asset-Klassen:

  • Aktien: Die europäische Politik hat internationale Investoren in den vergangenen Monaten davon abgeschreckt, Mittel in der Eurozone zu veranlagen. Ein Sieg Le Pens in Frankreich war das wohl folgenschwerste Extremereignis, über das man sich Sorgen machte. Dies ist nun noch wesentlich unwahrscheinlicher geworden. Das allein sollte nun wieder zu höheren Mittelzuflüssen in europäische Aktien führen. Außerdem verbessern sich die Fundamentaldaten schon seit einiger Zeit. Die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) der Eurozone bewegen sich etwa auf dem höchsten Stand der vergangenen sieben Jahre. In einer Vielzahl von Sektoren sehen die Firmen die Zukunft positiver. Das lässt die steigenden Gewinnerwartungen gerechtfertigt erscheinen. Wir erwarten für 2017 zweistelliges Gewinnwachstum. Das erlaubt es uns, europäische Aktien auf „Übergewichten“ zu setzen. Wir werden demnächst einen Report mit weiteren Details zu europäischen Aktien veröffentlichen. Auf der Sektorenebene haben wir kürzlich Finanzwerte auf „Übergewichten“ hinauf und Telekommunikationswerte auf „Untergewichten“ hinuntergestuft.

  • Anleihen: Wir waren hier schon vor den Wahlen eher geneigt, Risiken in Kauf zu nehmen. Besonders positive sahern wir Staatsanleihen aus den Peripherieländern der Eurozone, Unternehmensanleihen mit guter Bonität und Anleihen aus Schwellenländern. Nach diesem Wahlergebnis bleiben wir bei unserer Positionierung, wie auch bei unserer Präferenz für kurze Durationen. Auf Sicht der nächsten 12 Monate erwarten wir nach wie vor, dass die Zinsen auf 10-jährige Regierungsanleihen steigen werden. Wir erwarten außerdem, dass die Risikoaufschläge von Staatsanleihen aus Frankreich und den Peripherieländern der Eurozone gegenüber deutschen Staatsanleihen nach dem zweiten Wahlgang weiter schwinden werden.

  • Währungen: EUR/USD hat zunächst fast zwei Prozent gegenüber den Schlusskursen am Freitag zugelegt. Wir erwarten kurzfristig weitere Unterstützung für den Euro, während für den Dollar die Impulse fehlen. Die positiven Nachrichten aus der Eurozone erhöhen das Risiko, das von negativen Schlagzeilen aus Washington für den Dollar ausgehen könnte. Es sei daran erinnert, dass das Budgetbegleitgesetz Ende der Woche ausläuft, eine sogenannte Continuing Resolution also dringend notwendig wäre, damit die amerikanische Regierung weiter Geld ausgeben darf. Strategisch bleiben wir fürs Erste trotzdem bei einer Einschätzung von einem EUR/USD Wechselkurs von 1 zu 1 auf Sicht der kommenden 12 Monate.

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