US-Börsen unter Druck

Wir halten die Marktkorrektur angesichts des Wirtschaftsumfelds für übertrieben, rechnen jedoch weiter mit nervösen Märkten.

Bereits vor dem Abverkauf der US-Aktien am Mittwoch war dieser Oktober seinem Ruf als historisch schwankungsanfälligster Monat gerecht geworden (siehe Chart of the Week vom 19.10.2018 ). Nun jedoch wurden viele Jahreszahlen noch einmal deutlich durcheinandergewirbelt.

Im Einzelnen verlor der S&P 500 am Mittwoch 3,09 Prozent und der Nasdaq 100 4,63 Prozent. Ersterer ist damit auf Jahressicht ins Minus gerutscht, mit 0,65 Prozent, während der technologielastige Nasdaq noch mit fast drei Prozent vorne liegt (jeweils Preisindex, also ohne Dividendenerträge gerechnet). Der Nasdaq erlitt seinen größten Tagesverlust seit August 2011 und bewegte sich dieses Jahr damit zum zweiten Mal mit mehr als vier Prozent. Dafür hatte er vor 2018 ganze sechs Jahre gebraucht. Ähnliches gilt für den S&P 500, der dieses Jahr vier Mal mit mehr als drei Prozent schwankte, wofür er vorher ebenfalls sechs Jahre brauchte. Die von uns erwarteten steigenden Marktschwankungen manifestieren sich somit eindrucksvoll, allerdings bedeutet dies lediglich einen Rückgang zur Normalität und kein außergewöhnlich nervöses Marktumfeld. Im Schnitt der vergangenen 20 Jahre hat der S&P 500 rund viermal pro Jahr um fünf Prozent und mehr korrigiert.

Als Grund für die Korrektur kann man das Zusammentreffen einiger bereits länger bestehenden Risiken und einiger kurzfristigen negativen Entwicklungen nennen. Zu ersteren zählt natürlich der weiter schwelende Handelskonflikt, insbesondere zwischen den USA und China, der graduelle Anstieg der US-Verschuldung und der US-Zinsen, der Brexit-Prozess, die Wachstumsverlangsamung in China sowie die Lage in Italien. Letztere hat sich jüngst wiederum überraschend zugespitzt, so dass sie auch als kurzfristig belastend bezeichnet werden kann. Als weitere kurzfristigere Belastungsfaktoren sehen wir gemischte Quartalsergebnisse bei gleichzeitig hohen Erwartungen, schwächere Einkaufsmanagerindizes in Europa, insbesondere Deutschland; Spannungen im Nahen Osten und einen schwächelnden US-Häusermarkt. Hier befinden sich die Verkäufe auf dem niedrigsten Stand seit fast zwei Jahren. Schaut man auf das Verhältnis vom Lagerbestand (der zum Verkauf stehenden Häuser) zu Hausverkäufen, so hat es mit 7,1 den höchsten Stand seit 2011 erreicht.

Was bedeuten die wirtschaftlichen Entwicklungen und der Aktienabverkauf für unsere Prognosen? Zunächst einmal das Wichtigste: wir behalten unsere Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft vorerst bei, welche nur eine geringe Abschwächung für 2019 antizipieren. Aus heutiger Sicht könnte sich zwar ein Anpassungsbedarf für das deutsche Wachstum 2018 ergeben, wenn die Verwerfungen im Automobilbereich, die das dritte Quartal belastet haben, im vierten Quartal nicht mehr aufgefangen werden können. Die jüngsten Zahlen des Ifo-Geschäftsklimaindex waren zwar leicht schwächer als erwartet, aber nicht im dramatischen Umfang. In den USA wiederum zeigten sich auch die jüngsten Umfragen wieder recht robust, so dass wir hier keinen Anpassungsbedarf sehen.

Die Märkte hatten jedoch bereits zu Jahresanfang, in der beeindruckenden Januar-Rally, vieles von der Entwicklung in den USA vorweggenommen. Da die Gewinne und die Gewinnschätzungen anschließend tatsächlich stiegen, während die Märkte nunmehr wieder auf dem Niveau des Jahresanfangs stehen, bedeutet das einen starken Rückgang der Bewertungskennzahlen. So hat sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der Gewinne der kommenden zwölf Monate für den S&P 500 von 18,1 im Januar auf jetzt 14,8 reduziert. Allein im Oktober ging das KGV um zwei Punkte zurück. Das Bewertungsniveau als solches bereitet uns somit keine Sorgen, wir denken vielmehr, dass der Markt zunehmend an der Nachhaltigkeit der jetzigen US-Gewinne zweifelt. Hier rechnet der Konsens immerhin für 2019 noch mit einem Gewinnwachstum von 10,4 Prozent, während wir nur von 5,9 Prozent ausgehen.

Auch wenn wir die jüngste Marktkorrektur und damit auch die Jahresperformance als nicht vereinbar mit dem wirtschaftlichen Umfeld betrachten, halten wir es für zu früh, um wieder aggressiv Positionen im Markt auszubauen. Zum einen wollen wir uns selbst noch anhand der Quartalsberichte ein besseres Bild davon machen, inwieweit die Unternehmen die erwähnten Risiken nur als Anlass für eine vorübergehende vorsichtigere Lager- und Investitionspolitik nehmen, oder ob die Vorsicht einen längerfristigen Charakter haben könnte. Insgesamt verläuft die Berichtssaison aus unserer Sicht etwas schlechter als erwartet, insbesondere in Europa. Zum anderen glauben wir aber auch, dass der Markt selbst noch einige Zeit volatiler handeln könnte, während er sich an einige veränderte Parameter erst noch gewöhnen muss.

Zudem sehen wir auch in den US-Zwischenwahlen einen weiteren Quell der Unsicherheit, der auch unmittelbar nach der Wahl noch nicht versiegen dürfte. Die Erwartungshaltung ist hier unserer Meinung nach sowohl hinsichtlich des Wahlergebnisses als auch hinsichtlich dessen Bedeutung für die weitere Gestaltung der US-Politik etwas zu gleichgültig.

Sollte es sich jedoch zeigen, dass die Zwischenwahlen zu keinen Verwerfungen führen und der Handelskonflikt zumindest nicht weiter eskaliert, wäre unseres Erachtens ein versöhnliches Jahresende – im Einklang mit historischen Börsenmustern – noch möglich. Wir halten an unserer Prognose von 3000 Punkten für den S&P 500 per September 2019 fest.

CIO View

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