Turbulenter Jahreswechsel

Es gibt gute Gründe für die jüngsten Kurseinbrüche. Doch wir bleiben optimistisch.

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    Turbulenter Jahreswechsel

    Kurseinbrüche und Volatilität zeugen von Marktnervosität. Wir teilen einige Sorgen, doch bleiben für 2019 zuversichtlich.

    Die Aufgabe von Aktienstrategen wird nicht einfacher, wenn die Aktienmärkte ausgerechnet im vierten Quartal, wenn die Prognosen für das kommende Jahr festgezurrt werden, eine Korrektur einlegen. Also von ihrem letzten Hoch um mindestens 10 Prozent fallen. Die Lage verbessert sich nicht, wenn sich die Märkte anschließend schon durch Nichtigkeiten euphorisieren oder weiter verängstigen lassen. Abgerundet wird das Ganze, wenn zudem noch weichenstellende Entscheidungen um die Jahreswende herum erwartet werden. Italien, Brexit und der letztlich nur aufgeschobene US-chinesische Handelsstreit fallen einem dazu ein. Diese Ereignisse können zu Marktschwächen führen, die sich einem optimistischen Ausblick zunächst entgegenstellen. Aus kommunikativer Sicht ist das nicht einfach, werden auskömmliche Kursziele doch gern als unmittelbare Kaufempfehlung aufgefasst. Dem ist nicht so, da unsere Prognosen zwar anzeigen, wo wir die Indexstände zum Jahresende 2019 sehen, aber nicht, wann wir im Laufe dieser zwölf Monate den richtigen Einstiegszeitpunkt vermuten.

    Man sollte seine Fähigkeiten, diese Zeitfenster richtig abzupassen ("market timing" im Englischen) allerdings nicht überschätzen. Unterschätzen wiederum sollte man nicht, welche Überzeugungskraft solche Marktbewegungen entfachen können. Gerade in den vergangenen zwei Monaten zeigte sich wieder, wie schnell sich die Narrative zu Wirtschaft und Kapitalmarkt mit dem Stand der Leitbörsen ändern. Da Marktkorrekturen oft auch rein technisch getrieben sein können, gilt es, seine eigenen Überzeugungen nicht im Wochenrhythmus über Bord zu werfen. Welche Standfestigkeit hier zuletzt gefragt war, zeigen die mehrtägigen Sprünge des S&P 500 seit Anfang Oktober: dreimal ging es abwärts (-11,4, -6,5 und -11,1 Prozent) und zweimal aufwärts (8,1 und 6,5 Prozent, Stand: 20. Dezember 2018). Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2017 drohten (auf Basis der Schlusskurse) selbst bei schlechtestem Timing nie mehr als drei Prozent Kursverlust. Doch diese Zeiten sind unseres Erachtens vorbei. Die Volatilität dürfte auf jenem höheren Niveau bleiben, auf das sie sich 2018 eingependelt hat.

    Diesen Exkurs vorweg, bevor wir näher auf unsere Prognosen eingehen. Schließlich gibt es auch jetzt wieder gute Gründe, mit zunächst ruppigeren Märkten zu rechnen, bevor sich die Lage wieder entspannt und sich unser Basisszenario entfaltet. Wir erwarten 2019 einen leichten Rückgang des globalen Wirtschaftswachstums von 3,7 auf 3,6 Prozent. Zudem haben wir auf Basis der heutigen Daten wenig Veranlassung, für 2020 eine zyklisch bedingte Rezession in den USA zu befürchten. In diesem Basisszenario erwarten wir für globale Aktien im nächsten Jahr einstellige Gesamtrenditen, die von einem moderaten Gewinnwachstum und ordentlichen Dividendenbeiträgen getragen werden. Letztere werden durch starke Unternehmens-Cashflows für die meisten Branchen gut unterstützt. Unser Indexziel für den S&P 500 haben wir für Dezember 2019 auf 2.850, für den Dax auf 11.800 und für den Stoxx 600 auf 360 Punkte festgelegt. Insbesondere für den S&P 500 sehen wir in absehbarer Zeit gute Chancen einer weiteren Erholung.

    Was unser insgesamt zuversichtliches Szenario jedoch negativ beeinflussen könnte, sind eine Reihe (geld-)politischer Entscheidungen. Die jüngsten Marktkorrekturen und die erhöhten Volatilität sniveaus zeigen, wie sich Anleger in dieser spätzyklischen Phase zunehmend Sorgen um diese Themen machen, nachdem sie nun bereits einige Jahre viele politische Wendungen eher mit einem Achselzucken begleitet haben. Unser Hauptszenario für die Aktienmärkte unterstellt einen zumindest glimpflichen Ausgang einer Reihe politischer Entscheidungen: Wir gehen davon aus, dass der Handelskonflikt nicht zu einem Handelskrieg eskaliert. Wir erwarten, dass die US-Fed ihren Zinserhöhungszyklus nicht auf Autopilot weiterfährt, sondern makroökonomische Eintrübungen berücksichtigen und auch die Auswirkungen ihrer Aktivitäten auf Aktienmärkte oder Schwellenländer nicht außer Acht lassen wird. Des Weiteren gehen wir davon aus, dass die italienische Haushaltspolitik die Integrität der Eurozone nicht in Frage stellen wird und dass sich die chinesischen Bemühungen zur Unterstützung des Binnenkonsums als erfolgreich erweisen und zu einer kontrollierten Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft führen werden.

    Wir sehen Aktienbewertungen nicht mehr als teuer an. Bewertungen auf Basis von Gewinn- oder Free-Cash-Flow -Multiplikatoren liegen auf oder unter den jüngsten historischen Durchschnittswerten. Die Schlüsselfrage, die sich Aktieninvestoren stellen müssen, ist, wie nachhaltig das derzeit hohe Rentabilitätsniveau sein wird. Wir gehen davon aus, dass dies zumindest für 2019 der Fall ist, aber dass die Konsensschätzungen für die meisten Märkte noch nach unten korrigiert werden müssen. Sie spiegeln unseres Erachtens das geringere Wirtschaftswachstum, höhere Löhne und neue Handelshemmnisse nicht genügend wider. Insgesamt dürften die operativen Margen in den entwickelten Märkten nicht weiter steigen, sodass 5 bis 6 Prozent Gewinnwachstum unseres Erachtens eine angemessen vorsichtige Annahme sind. Aktien aus Schwellenländern trauen wir ein höheres Wachstum zu. Angesichts der hohen Unsicherheit über kurzfristige politische Entscheidungen verzichten wir auf starke taktische Positionierungen - sei es auf regionaler oder sektoraler Ebene. Da sich der strukturelle Aufstieg der Schwellenländer in den kommenden Jahren fortsetzen dürfte, warten wir hier auf die richtige Gelegenheit, die Region wieder überzugewichten. Dafür müssen jedoch der US-chinesische Handelsstreit, der Dollar und die globalen Zinssätze in die richtige Richtung gehen. Ebenso gehen wir davon aus, dass die digitale Revolution anhalten wird, die fast alle Branchen betrifft. Die Differenzierung von Gewinnern und Verlierern dieses technologischen Wandels bleibt ein zentrales Anlagethema für Wachstumsstrategien. Vorerst müssen sich jedoch selbst die Schwergewichte und vormaligen Anlegerfavoriten des Sektors mit sinkenden statt stetig steigenden Konsensschätzungen arrangieren. Auch hier warten wir auf bessere Einstiegspunkte.

    Erste Bremsspuren in den sehr optimistischen Prognosen

    Der Konsens erwartet noch zwei weitere fette Jahre bei den Gewinnen des S&P 500. Allerdings gehen die Schätzungen* seit Spätsommer etwas zurück.

    Quelle: Thomson Reuters Datastream; Stand: 30.11.2018

    *Entwicklung der Gewinnschätzungen für einzelne zukünftige Jahre im Zeitverlauf sowie durchgehende Entwicklung der Gewinnschätzungen für die vergangenen zwölf Monate.

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    Bewertungen im Überblick

    USA: Neutral (Neutral)*

    US-Aktien sind aus unserer Sicht aufgrund von Wachstums- und Bewertungssorgen mit temporären Übertreibungen unter Druck geraten. Es ergeben sich Chancen, da wir von einem mittleren einstelligen Gewinnwachstum der Unternehmen 2019 ausgehen und das die US-Staatsanleiherenditen unter 3,5 Prozent bleiben werden. Sinkende Gewinnprognosen und (risikobereinigt attraktive) Staatsanleiherenditen könnten jedoch den Markt wieder belasten.

    Quellen: FactSet Research Systems Inc., DWS Investment GmbH; Stand: 05.12.2018

    Europa: Neutral (Neutral)*

    Politische und makroökonomische Unsicherheiten in Europa gilt es weiter genau zu beobachten. Themen wie Italien, Brexit, Handelsspannungen und die Strukturbrüche im Automobilsektor belasten die Märkte. Daher bleiben wir neutral und warten auf einen besseren Einstiegspunkt. Die Fundamentaldaten der Unternehmen sind insgesamt solide und der Bewertungsabschlag auf US-Aktien liegt auf einem 10-Jahres-Tief.

    Quellen: FactSet Research Systems Inc., DWS Investment GmbH; Stand: 05.12.2018

    Japan: Neutral (Neutral)*

    Japanische Unternehmen sehen wir mit Blick auf ihre soliden Bilanzen und Gewinne grundsätzlich weiter positiv. Jedoch stimmen uns die Anzeichen einer Verlangsamung der Gewinndynamik skeptisch. Anders als erwartet haben die Unternehmen ihre konservativen Gewinnprognosen noch nicht nach oben korrigiert. Japan ist unseres Erachtens zudem keine Region, die man übergewichten sollte, wenn man eine spätzyklisch bedingte Verlangsamung erwartet.

    Quellen: FactSet Research Systems Inc., DWS Investment GmbH; Stand: 05.12.2018

    Schwellenländer: Neutral (Neutral)*

    Schwellenländer werden 2019 sicherlich zu den spannenderen Regionen zählen. Zwar könnten ein stärkerer Dollar, höhere US-Zinsen oder eine Handelseskalation die Märkte belasten, aber das ist nicht unser Basisszenario. Im Durchschnitt haben die dortigen Unternehmen solide Bilanzen und ihre Aktien sind im historischen Vergleich günstig bewertet. Abhängig auch von Chinas Konjunktur gibt es jedoch unserer Meinung noch Korrekturbedarf bei den Ergebnisprognosen.

    Quellen: FactSet Research Systems Inc., DWS Investment GmbH; Stand: 05.12.2018

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