Technologie über all(es)?

Das Silicon Valley baut seinen Vorsprung aus, doch nicht alle profitieren.

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    Technologie über all(es)?

    Das Silicon Valley baut seinen Vorsprung aus. Wir sind beeindruckt, doch kaufen nicht alle(s). Die Unterschiede sind groß.

    Angesichts der politischen Nachrichtenlage haben die Aktienmärkte den Sommer erstaunlich gut überstanden. Zumindest aus amerikanischer Perspektive. Und das ist, wie auch der US-Präsident nicht müde wird zu betonen, die entscheidende Perspektive. Denn geht es den USA gut, geht es der Welt gut. Naja, fast. Denn erstens hängt das wirtschaftliche Glück der Welt mittlerweile fast im gleichen Maße am Wohlbefinden Chinas, dessen Wirtschaftsleistung, kaufkraftbereinigt, die der USA übertrifft. Zweitens darf es den USA auch nicht zu gut gehen. Denn das kann in Zinserhöhungen und stärkerem Dollar münden, was vor allem aus Sicht vieler Schwellenländer wenig wünschenswert ist. Doch aus US-Sicht läuft es, und zwar seit Mai außerordentlich gut. In jenem Monat verabschiedeten sich die US-Indizes von ihren globalen Kollegen und erklommen immer neue Höhen. Seit dem 22. August darf sich das, was an der Wall Street passiert, der bisher längste Aufschwung des S&P 500 nennen – 3.453 Tage am Stück ohne 20-prozentigen Rückschlag. Gründe für diesen Lauf finden sich schnell. Dank robuster Konjunktur und Steuerreform sind die Nachsteuerergebnisse der S&P-500-Firmen im zweiten Quartal im Schnitt um rund ein Viertel gestiegen. Damit wurden 80 Prozent der Analystenprognosen übertroffen – langjähriger Rekord. Zudem wissen die Firmenbosse genau, was ihre Aktionäre wollen: Die repatriierten Auslandsdollar sollen nicht erst den Umweg über Sachanlageinvestitionen und höheren operativen Gewinnen zu den Aktionären machen, sondern den direkten Weg gehen – über Aktienrückkäufe. Diese haben in Summe im ersten Halbjahr erstmals seit zehn Jahren die Ausgaben für Sachanlageinvestitionen übertroffen. Während die Investitionen im Vergleich zum Vorjahr "nur" um 19 Prozent zulegten, stiegen die Rückkäufe um 48 Prozent. Wichtiger Treiber auch dieser Entwicklung war der Technologiesektor. Seine Dominanz über das Marktgeschehen nehmen wir zum Anlass, ihn genauer unter die Lupe zu nehmen.

    Dazu passt, dass wir vor kurzem zwei Monate in der Herzkammer dieses Sektors verbrachten, im Silicon Valley. Dort haben wir mit über 100 Experten und Firmenlenkern gesprochen und private wie börsennotierte Unternehmen besucht. Zwar kann man viel Erstaunliches über das Valley lesen, wie zum Beispiel: dass hier nur 1,25 Prozent der US-Bevölkerung leben, aber ein Drittel der Marktkapitalisierung des S&P 500 beheimatet ist und die Hälfte des gesamten US-Wagniskapitals investiert wird; dass die Anfangsgehälter der Top-Absolventen selbst die der Wall Street übertreffen; oder dass man 4,7 Mindestlohnjobs nachgehen müsste, um eine Dreizimmerwohnung in San Francisco mieten zu können. Doch um die Sonderstellung dieser Region richtig zu begreifen, kommt man um eine Entdeckungsreise vor Ort nicht herum. Schließlich fußen die Entscheidungen aktiver Fondsmanager auch auf der Bewertung eigener Eindrücke. Unsere prägendsten waren:

    • Aus europäischer Sicht wirkt das Valley dem Großteil der restlichen Welt teilweise um Jahre voraus.

    • Dies liegt an den sprichwörtlichen Netzwerkeffekten dieses Clusters, aber auch an den Summen, die die Platzhirsche hier auch auf Technologiefelder werfen können, die vielleicht erst in einigen Jahren monetarisierbar sind.

    • Von den verfügbaren Geldern fließt viel in Übernahmen. Dies treibt die Preise für junge Firmen in Höhen, die außerhalb des Valleys nur wenige stemmen können.

    • Die Machtkonzentration der Großen und Erfolgreichen wird noch anders zementiert. So zählt beim Kampf um Talente die Fähigkeit einer Firma, mit Innovationsführerschaft oder einem hippen Image punkten zu können. Selbst manch etablierte Technologiefirma der Jahrtausendwende hat es schwer, da mitzuhalten.

    • Im Valley dreht sich (fast) alles um Skalierbarkeit und Geschwindigkeit. Neue Märkte vor den anderen zu besetzen, Eintrittsbarrieren durch Größe zu schaffen und exponentielles Umsatzwachstum zu erreichen, das ist das Ziel.

    Soweit zu unseren Eindrücken vor Ort. Was können wir davon in unsere Anlagestrategie einfließen lassen? Nun, wir haben sicherlich Respekt vor diesem Energiezentrum bekommen, das vielfach uneinholbar scheint. Zwar schien es, als könnten chinesische Firmen aus ihrem abgeschotteten Heimatmarkt heraus den Westküstlern Paroli bieten. Doch haben sie seit ihrem Hoch im Sommer fast ein Viertel an Wert verloren, wozu sicher auch der Handelsstreit beigetragen hat. Europäische oder japanische Konkurrenz ist beinah vernachlässigbar, wie ein Blick auf die Grafik mit der Entwicklung der Marktkapitalisierungen zeigt. Entsprechend beeindruckt verlässt man die kalifornische Küste. Umso mehr, als wir glauben, dass die neue Welle der Digitalisierung und Vernetzung dem Technologiesektor auf Jahre hinaus strukturellen Rückenwind bescheren wird. Die Bewertung liegt dank üppiger Gewinne zumindest nicht in den luftigen Höhen der 2000er Jahre. Dennoch nehmen wir den Sektor taktisch zurück auf Neutral. Lassen wir einmal die mittelfristigen Sorgen wie Regulierung, Wettbewerb, veränderte Kundenpräferenzen beiseite und konzentrieren uns auf die kurze Sicht. Der Sommer hat gezeigt, wie hoch die Erwartungen an diesen keineswegs homogenen Sektor sind. Einige Schwergewichte wurden abgestraft, nachdem ihre scheinbar unangreifbare Wettbewerbsposition in Frage gestellt wurde. Die Herunterstufung hat aber auch mit der Umstrukturierung des MSCI Information Technology Index zu tun, an dem wir unsere Sektorgewichtung ausrichten. Ende November werden einige von uns favorisierten Werte in den neu geschaffenen "Communications"-Index wandern. Damit gewinnen die zyklischeren Halbleiterwerte an Gewicht. Den "Communications"-Sektor hingegen, der weitgehend auf dem Telekomindex fußt, stufen wir auf Neutral hoch. Damit gehen wir auf regionaler und sektoraler Ebene ohne klare Präferenzen in den Herbst, von dem wir uns jedoch durch wichtige politische Entwicklungen (Brexit , US-Wahlen, Handelsstreit, Italien) eine bessere Entscheidungsgrundlage für unseren nächsten Prognosezyklus erhoffen.

    US-Technologiewerte bauen ihren Vorsprung aus

    Europas und Japans Technologiesektor verliert gegenüber den USA Terrain, während Asien aufholt.

    * Marktkapitalisierung der regionalen MSCI Information Technology Indizes in Prozent der Marktkapitalisierung des MSCI USA Information Technology Index.

    Quellen: Thomson Reuters Datastream; DWS Investment GmbH; Stand: 19.09.2018

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    USA: Neutral (Neutral)*

    US-Aktien haben in den vergangenen Monaten ihre Sonderrolle bekräftigt. Seit Mai sind sie den anderen Börsen davongeeilt, selten zuvor hat sich der US-Markt auch bewertungstechnisch so schnell und so weit von anderen Märkten entkoppelt. Neben der kurzfristigen Unterstützung durch Steuerreform und höheren Ölpreis ist dies vor allem dem Technologiesektor geschuldet. Wir halten das Überraschungspotenzial von nun an jedoch für begrenzt.

    Quellen: FactSet Research Systems Inc., DWS Investment GmbH; Stand: 29.09.2018

    Europa: Neutral (Neutral)*

    Europäische Aktien werden derzeit verschiedentlich belastet. Diese exportlastige Region leidet besonders unter dem Handelsstreit und der Schwäche der Schwellenländer . Für Deutschland gesellt sich der Automobilsektor dazu, der mit ganz eigenen Problemen und einer globalen Nachfrageabschwächung kämpft. Das Gewinnwachstum, der Bewertungsabstand zu den USA und das positive Überraschungspotenzial sind jedoch auf der Habenseite zu verbuchen.

    Quellen: FactSet Research Systems Inc., DWS Investment GmbH; Stand: 29.09.2018

    Japan: Neutral (Neutral)*

    Japan bietet das bekannte Bild: Der Reformprozess nimmt seinen Lauf, was sich auch darin äußert, dass sich die Eigenkapitalrenditen langsam wieder dem internationalen Schnitt nähern. Auch die jüngsten Quartalszahlen konnten überzeugen. Allerdings verliert das Gewinnwachstum gerade an Schwung. Wie in Europa lasten der Handelsstreit und die Schwellenländerschwäche auch auf Japans Aktien. Wir warten auf bessere Einstiegsgelegenheiten.

    Quellen: FactSet Research Systems Inc., DWS Investment GmbH; Stand: 29.09.2018

    Schwellenländer: Neutral (Neutral)*

    Schwellenländermärkte stehen dieses Jahr im Fokus der Investoren. Seit Februar hinken sie den anderen Märkten hinterher, nachdem unter anderem steigende US-Zinsen und ein starker Dollar die Probleme einiger fragiler Länder verstärkten. Diese finden sich vor allem außerhalb Asiens, wo der Handelsstreit größere Schatten wirft. Wir rechnen trotzdem nicht mit einem Flächenbrand und sehen vor allem in Asien weiter Chancen.

    Quellen: FactSet Research Systems Inc., DWS Investment GmbH; Stand: 29.09.2018

    *Diese Einschätzung ist relativ zum MSCI AC World Index , in Klammern wird die Einschätzung aus dem Vorquartal gezeigt.

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