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Scheidung auf europäisch

Brexit und andere politische Risiken bieten Chancen für diskretionäre Makrostrategien.

Bei Rosenkriegen und Ehescheidungen geht es nur selten schnell. Auch ist es wenig hilfreich, seinen Anwälten kurz vor Abschluss neue Marschbefehle zu erteilen. Genau in dieser Situation befindet sich jetzt das Vereinigte Königreich (UK). Premierministerin Theresa May wollte ihren Rückhalt im Parlament durch vorgezogene Neuwahlen ausbauen. Stattdessen entstand ein Patt. Die angeschlagene Theresa May braucht jetzt die Unterstützung der nordirischen Democratic Unionist Party, um an der Regierung zu bleiben und eine weitere Wahl zu vermeiden. Das Ergebnis der Brexit-Verhandlungen ist nun noch offener als zuvor. Jetzt könnte sogar eine Vereinbarung getroffen werden, durch die das UK viele der Vorteile eines Mitglieds der Europäischen Union (EU) behält („weicher“ Brexit). Nicht einmal eine Umkehr der Brexit-Entscheidung scheint völlig ausgeschlossen. Aber auch die Gefahr eines katastrophalen Ausgangs ist gestiegen, falls nun beide Seiten auf waghalsige Verhandlungstaktiken setzen.

Diese Unsicherheit kann für Hedgefonds Chancen bieten. So haben diskretionäre Makro-Strategien bereits von der Auslösung von Artikel 50 im ersten Quartal profitiert. Die von den Verhandlungen erwarteten Unsicherheiten führten zu nachhaltigen Investitionen in britische Staatspapiere, die in diesem Quartal bei Anleihen mit am besten abschnitten. Davon haben einige Fonds profitiert. Ähnlich sah es in Kontinentaleuropa aus, wo die Volatilität hauptsächlich vom Wahlrisiko in Frankreich und den Niederlanden ausging.

Mehr Chancen am Horizont

Während die politischen Risiken in Europa abgenommen haben, wurden sie auf der anderen Seite des Atlantiks größer. Aktuell hängt die Überlebenschance der Gesundheitsreform von US-Präsident Donald Trump am seidenen Faden und verdeutlicht die Spaltung innerhalb der regierenden Republikanischen Partei. Kein allzu gutes Zeichen für andere Teile der Trump-Agenda, die den Gesetzgebungsprozess durchlaufen müssen. Eines haben sicherlich alle von der Präsidentschaft Trumps gelernt: Erwarte das Unerwartete.

Aufgrund höherer politischer Unsicherheit auf beiden Seiten des Atlantiks bekräftigen wir unseren positiven Ausblick für diskretionäre Makrostrategien. Höhere Zinsen, Ausschläge an den Devisenmärkten und relativ volatile Rohstoffmärkte schaffen hier ebenfalls neue Chancen. Insgesamt verläuft die Entwicklung mit einer breiten Mischung aus direktionalen und Relative-Value-Strategien solide. Allerdings ist hier anzumerken, dass einzelne Manager bei diskretionären Makrostrategien sehr unterschiedlich abschneiden. Die Auswahl des Managers bleibt entscheidend, nicht zuletzt, weil politisch sprunghafte Zeiten richtige Entscheidungen erschweren.

Das Umfeld hat sich auch für die Auswahl von Einzeltiteln verbessert; besonders paarweise Korrelationen wie zwischen den Aktien von zwei Unternehmen sind zurückgegangen und die Streuung ist gestiegen. Daher haben wir den Ausblick für Equity-Market-Neutral-Strategien auf positiv korrigiert. Long/Short Equity-Strategien wurden ebenfalls hochgestuft, allerdings lediglich auf neutral, da wir unseren leicht negativen Ausblick für den gesamten Markttrend abschwächen mussten.

Event-Driven-Strategien profitieren ebenfalls vom besseren Stock-Picking-Umfeld. Merger Arbitrage wird dagegen schwieriger, da sich Mergerspreads für angekündigte Übernahmen deutlich eingeengt haben. Es kam auch zu etwas weniger und weniger umfangreichen Deals. Aufgrund des chancenärmeren Umfelds müssen wir einen der Treiber, die wir zur Einschätzung von Event-Driven-Strategien verwenden, anpassen. Daher setzen wir unseren Ausblick hier auf neutral.

Commodity-Trading-Advisor-Strategien (CTAs) dürften von anziehender Volatilität ebenso profitieren wie von dauerhaften Trends an den Assetmärkten. Zeitpunkt und unmittelbare Auslöser eines Volatilitätsanstiegs stehen wie immer in den Sternen. Während Probleme für Trump und Rückschläge beim Brexit einleuchtende mögliche Gründe sind, ist eine fortgesetzt niedrige Volatilität nicht auszuschließen. Bei Credit-Strategien sind wir neutral, steigende Zinsen könnten hier abträglich sein. Bei Distressed-Strategien bleiben wir aufgrund der sehr niedrigen Ausfallquoten negativ.

Gute Nachrichten für Stock-Picker

In Europa und den USA sind Aktienkorrelationen weiter gefallen – gut für Hedgefonds mit Spezialisierung auf die Analyse einzelner Aktien oder Branchen.

Quelle: Deutsche Asset Management Investment GmbH, Stand: 31. März 2017

*Chart zeigt die rollierenden 1-Jahr-Kreuzkorrelationen der S&P-500- und Euro-Stoxx-50-Unternehmen anhand der täglichen Rendite

Aber Volatilität bleibt niedrig

Implizite Volatilität bleibt sehr niedrig. Von einem Anstieg würden vor allem Equity-Market-Neutral und Discretionary-Macro Strategien profitieren.

Quelle: Bloomberg Finance L.P.; Stand: 27.06.2017

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