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Renzi tritt zurück

Matteo Renzi und seine Reformen haben eine herbe Niederlage erlitten. Doch Italien ist solche Situationen gewohnt, was die Folgen an den Kapitalmärkten begrenzen dürfte.

Am Ende war es nicht einmal eng. Knapp 60 Prozent der Wähler haben ein weitreichendes Verfassungsreformpaket abgelehnt. Es beinhaltete die Verkleinerung des Oberhauses, mehr Zentralisierung und eine Beschneidung der Befugnisse des Senats.

Als das Ausmaß der Niederlage sich abzeichnete, erklärte Premierminister Matteo Renzi seinen Rücktritt.

Drei Lektionen können Anleger aus diesem Resultat lernen.

Erstens: Meinungsforscher haben einen schweren Stand seit den Voten für Brexit und Donald Trump. Zu Unrecht. Ebenso sollte man die seherischen Qualitäten ihrer italienischen Kollegen nicht überbewerten. Zwar lag „Nein“ in den Umfragen vorne. Bei 20 bis 25 Prozent bis zuletzt unentschlossenen Wählern war allerdings der letztliche Erdrutschsieg der „Nein“-Wähler genauso wahrscheinlich wie ein knapper Sieg für das „Ja“-Lager. Im Vorfeld eines von wichtigen Wahlen geprägten Jahres 2017 sollte das jeden Anleger dazu ermahnen, nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig in Umfrageergebnisse hinein zu interpretieren. Umfragen müssen kritisch hinterfragt werden, dann können sie Mehrwert liefern. Absolute Sicherheit geben sie nicht.

Zweitens: Politischer Wandel findet selten über Nacht statt. Anfängliche Hoffnungen, Renzi könne Italien im Handumdrehen reformieren, erwiesen sich schnell als übertrieben. Ebenso übertrieben wäre es nun, aufgrund des Rücktritt Renzis zu verzweifeln. Momentan betrachten wir Neuwahlen als unwahrscheinlich, zumindest bevor das Verfassungsgericht Anfang 2017 über das neue Wahlgesetz befindet. Dieses soll dem Wahlsieger mindestens 54 Prozent der Sitze im italienischen Unterhaus gewähren. Eine Übergangsregierung könnte dies dahingehend verändern, dass dieser Siegerbonus auch Koalitionen gewährt würde.

Drittens: Es geht nicht immer „nur“ um Politik. Wichtiger sind am Markt nun wieder die italienische Bankenkrise und die anstehende Ratssitzung der Europäischen Zentralbank an diesem Donnerstag. Die von uns und dem Markt gleichermaßen erwartete Verlängerung des Anleihekaufprogramms könnte hierbei zur Sprache kommen. Gleichzeitig bemüht sich die Bank Monte dei Paschi di Siena weiterhin um ihre Kapitalerhöhung, wobei hier nach wie vor keine schnelle Lösung in Sicht scheint.

Marktimplikationen

Die insgesamt moderate Marktreaktion überrascht uns nicht. Der Euro etwa hatte seine anfängliche Schwäche gegenüber dem Dollar recht schnell wieder aufgeholt. Italienische Staatsanleihen könnten zwar in den kommenden Tagen noch einmal schwächer tendieren, doch das würden wir dann eher zum Einstieg nutzen wollen. Unternehmensanleihen dürften weiterhin durch die Käufe der EZB gut gestützt bleiben. Der italienische Aktienmarkt wird von den Bankentiteln dominiert, die wir weiterhin stark untergewichten. Ohnehin spielt in Italien der Aktienmarkt – dessen Kapitalisierung gerade einmal der Hälfte jener von Apple entspricht – eine weitaus geringere Rolle als der Anleihemarkt.

Längerfristig glauben wir, dass die Ablehnung der Senatsreform größere Änderungen auf absehbare Zeit unwahrscheinlicher macht – und zwar in positiver wie in negativer Richtung. Das heißt einerseits, dass marktfreundliche Strukturreformen so schwer wie eh und je durchzusetzen sein werden. Aber andererseits eben auch, dass es etwa für die Fünf-Sterne-Partei, sollte sie die Mehrheit erlangen, ebenso schwer werden dürfte, eine europafeindliche Agenda durch das Parlament zu bringen.

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