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Präsidentschaftswahlen 2016 in den USA

Trügt die Ruhe an den Märkten?

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Editorial

Einführung

Der Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek hat die Märkte einmal als „Wunderwerk“1 bezeichnet. Sie bilden Preissignale auf der Basis von Informationen, die sie bei Millionen Menschen aus aller Welt sammeln. Bloß sind die Marktsignale in Bezug auf den US-Wahlkampf 2016 sehr schwer zu interpretieren.

Anekdotischen Hinweisen zufolge lösen die politischen Risiken zunehmend Besorgnis bei den Anlegern aus. Das scheint verständlich. Hillary Clinton, die Kandidatin der Demokraten, liegt in den Umfragen vorn. Allerdings sorgt sie weiter für Kontroversen, etwa wegen ihres sorglosen Umgangs mit Emails während ihrer Amtszeit als Außenministerin. Seit Beginn des kräftezehrenden Wahlkampfs hat sie kaum Pressekonferenzen gegeben. Ihr Gegenkandidat Donald Trump hat derweil mit seiner skeptischen Haltung zum Freihandel auch im Ausland Sorgen aufkommen lassen. Bei anderen Themen überrascht er sowohl seine Anhänger (einschließlich seiner Wahlkampfhelfer) als auch seine Gegner immer wieder durch rasche Positionswechsel.

Erkenntnisse aus der Vergangenheit

All dies spricht eigentlich für Unsicherheit. Und die sollte an sich für Nervosität an den Märkten sorgen. Stattdessen handelt der S&P 500 Index aber nahe seinen historischen Höchstständen.

Dies erscheint schon deshalb merkwürdig, weil die US-Aktienmärkte in der Vergangenheit in Wahljahren in der Regel etwas schwächer abschnitten. Im Durchschnitt stiegen die Aktienkurse seit 1936 in Wahljahren im Durchschnitt um 6,5% an, in allen Jahren seit 1933 dagegen um 8,7%. Seit 1936 entwickelte sich der S&P 500 Index in Jahren mit offenen Präsidentschaftswahlkämpfen, bei denen kein Amtsinhaber zur Wiederwahl antrat, normalerweise schwach und verzeichnete im Durchschnitt gar – geringe – Kursverluste.

Seit 1936 waren offene Präsidentschaftswahlkämpfe in der Regel schlecht für die US-Aktienkurse

Solche statistischen Ergebnisse sind natürlich immer mit Vorsicht zu genießen. Für zuverlässige Schlüsse ist die Zahl der Wahljahre in der jüngeren Geschichte schlicht zu gering. Das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Finanzmärkten ist komplex und ändert sich ständig. Außerdem sind Brüche in den Daten zu erkennen, wenn es um die Frage geht, wie sich Wahlkampfpolitik auf die Wirtschaft und die Märkte auswirkt. Statistisch ausgedrückt: Zahlreiche nicht-stationäre Prozesse spielen eine Rolle. (Nur als Beispiel sei hier darauf hingewiesen, wie sich die US-Geldpolitik ab 1979 änderte, weil die Federal Reserve (Fed) unter der Leitung von Paul Volcker die Inflation ernsthaft bekämpfte.)

Dies zeigt sich augenfällig, wenn wir die obige Grafik noch einmal betrachten und dabei nicht die durchschnittliche Kursentwicklung in allen Jahren mit offenen Präsidentschaftswahlkämpfen seit 1936 verwenden, sondern das Jahr 2008 aus der Betrachtung herauslassen. Dies reicht schon aus, um einen Kursrückgang um 3,3% in einen Kursanstieg um 3,7% zu verwandeln. Und nun schließen wir auch das Jahr 2000 aus. In den verbleibenden Wahljahren mit offenen Präsidentschaftswahlkämpfen seit 1933 entsprach die Wertentwicklung weitgehend derjenigen in allen Wahljahren.

Von 1936 bis 2000 waren Wahljahre mit offenen Präsidentschaftswahlkämpfen gar nicht so schlecht für die US-Aktienmärkte

Weitere Volatilität zu erwarten?

Um die Stimmung an den Märkten einzuschätzen, kann man z.B. annehmen, dass die Anleger von einer Fortsetzung des Status quo ausgehen. Das würde bedeuten, dass die Demokraten das Weiße Haus kontrollieren und die Republikaner im Kongress stark genug sind, um als wirksames Gegengewicht zu dienen.

Ein solches Ergebnis erscheint fürs Erste durchaus plausibel. Die demokratische Kandidatin Hillary Clinton hat weiter einen Vorsprung. Im Durchschnitt der jüngsten Umfragen lag Trump hinter ihr (siehe die folgende Grafik). Clinton erhielt zudem auf dem Parteitag der Demokraten Ende Juli eine deutlich umfangreichere und nachhaltigere Unterstützung als der Immobilienmogul eine Woche zuvor bei den Republikanern.

Im Durchschnitt der nationalen Umfragen führt Hillary Clinton im direkten Vergleich mit Donald Trump mit drei Punkten Vorsprung

In genaueren Analysen gelangen die meisten Beobachter derzeit – je nach verwendetem Modell – zu dem Schluss, dass Trump nur eine geringe Siegchance von rund 33 Prozent oder weniger hat.2 Allerdings sind solche Vorhersagen mit beträchtlichen Unsicherheiten behaftet, worauf wir weiter unten eingehen werden.

Umfragen zufolge finden die Wähler beide Kandidaten nicht besonders attraktiv.3 Nach dem überraschenden Ausgang des Brexit-Referendums interessieren sich die Anleger zudem wieder stärker für schwer einschätzbare Risiken. In dieser Studie erläutern wir, warum es unseres Erachtens noch zu früh für Nervosität ist. Die Anleger sollten die Risiken jedoch genau im Blick behalten. Es könnte im Wahlkampf zu stärkeren Ausschlägen kommen als es die Märkte zu erwarten scheinen. Außerdem stellt sich die Schlüsselfrage, welche Partei die Mehrheit im Repräsentantenhaus und imSenat erringen wird. Dies ist für die Anleger wohl von ebenso großer oder sogar noch größerer Bedeutung als der schlagzeilenträchtige Präsidentschaftswahlkampf.

Der Endspurt des Wahlkampfs beginnt

Der durchschnittliche US-Wähler beschäftigt sich normalerweise ab dem Labor Day (am ersten Montag im September) mit dem Präsidentschaftswahlkampf. In dieser Phase machen sich auch Analysten, Fondsmanager und Strategen zunehmend Gedanken darüber, wie die Auswirkungen auf einzelne Vermögenswerte und Sektoren aussehen könnten.

Alte Hasen an der Wall Street wissen natürlich genau, dass man sich von der Fülle an Vorschlägen, Debatten und Zitaten nicht überwältigen lassen darf. Das Amt des US-Präsidenten mag nach wie vor der einflussreichste Posten der Welt sein, aber abgesehen von der Außenpolitik ist der Präsident in der Regel auf die Unterstützung des Kongresses angewiesen. Wenn es um die Themen geht, die den Anlegern am meisten am Herzen liegen, hat der Kongress die Macht, insbesondere bei allen fiskalpolitischen Fragen. Das haben die Märkte in Obamas Amtszeit mehrfach schmerzhaft erfahren müssen, als es Auseinandersetzungen um den Haushalt gab und die Stilllegungen der Verwaltungstätigkeit (auch bezeichnet als „government shutdown“) drohte.

Das berühmte Checks-and-Balances-System in den USA ist nur ein Grund, warum es nicht klug ist, langfristige Anlageentscheidungen anhand von überstürzt abgegebenen Wahlkampfversprechen zu treffen. Die Brookings Institution, ein Think Tank aus Washington, schrieb in einem Leitfaden zu Amtsübergaben von US-Präsidenten einmal: „Jeder neue Präsident will gleich voll in die Arbeit einsteigen – aber keiner will das ganz allein tun.“4 Die Besetzung zahlreicher Positionen in der Regierung und Verwaltung wirft enorme logistische Probleme auf.

Diese Herausforderung könnte vor allem für Donald Trump besonders groß sein, denn er tritt nicht nur als Kandidat einer Partei an, die acht lange Jahre in der Opposition war, sondern auch als ein politischer Quereinsteiger. Im Gegensatz zu anderen neu gewählten Präsidenten mangelt es ihm an einem umfangreichen Netzwerk von Politikexperten in Washington und darüber hinaus. Es ist nicht nur unklar, was er selbst in Bezug auf detaillierte Sachfragen denkt, die einen Anleger aus der Perspektive eines bestimmten Sektors heraus interessieren könnten. Es ist nicht einmal klar, wen er oder seine Leute als Spezialisten für dieses Gebiet befragen könnten. Trump zieht gegen zahlreiche politische Vorhaben zu Felde, die von früheren republikanischen Regierungen verfolgt wurden. Daher kann er wohl nicht so leicht auf Veteranen aus vorangegangenen Regierungsteams zurückgreifen. (Das geschieht ansonsten häufig, um die Amtsübergabe reibungslos zu gestalten.) Es dürfte nicht einfach werden, genügend Kandidaten für tausende Stellen im Mittelbau zu finden, die Trumps Weltsicht teilen.

Versprechen – einstige und jetzige

Einer groben Faustregel zufolge sitzt das Team eines neuen Präsidenten etwa nach einem Jahr fest im Sattel, und bei wichtigen, aber umstrittenen Postenbesetzungen kann es noch länger dauern. Bis die neue Regierung so richtig walten kann, dauert es. Und dann sieht die Welt in der Regel schon anders aus. Prioritäten ändern sich, und tendenziell müssen alle Versprechen – und seien sie noch so klar formuliert – der Realität angepasst werden.

So versprach Obama z.B. in seinem ersten Wahlkampf, neu über das North American Free Trade Agreement (NAFTA) zu verhandeln. Auch wollte er chinesische Exporte einschränken, weil China die Währung manipuliert habe.5 Nach den Wahlen verfolgte Obama dann eine weitgehend handelsfreundliche Politik. Und George W. Bush punktete im Wahlkampf im Jahr 2000 als „mitfühlender Konservativer“ und versprach, sich aus internationalen Verwicklungen herauszuhalten.)

Daher ist es unseres Erachtens noch zu früh, um aus dem bisherigen Verlauf des Wahlkampfs bereits detaillierte Schlüsse für die Wirtschaft insgesamt oder für bestimmte Anlageklassen oder Sektoren zu ziehen. (Trump muss sich z.B. noch zu seinen Steuerplänen äußern, nachdem der bisherige Entwurf vor kurzem von seiner Wahlkampf-Internetseite entfernt wurde.)

Damit werden wir uns in den kommenden Wochen befassen, wenn deutlicher wird, welche Prioritäten die beiden Kandidaten voraussichtlich setzen werden und wie ihre Chancen auf ein überzeugendes Mandat aussehen. Dann lässt sich eventuell auch beurteilen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Demokraten anstelle der Republikaner eine Mehrheit im Senat oder im Repräsentantenhaus erhalten, wobei Letzteres von vornherein weniger wahrscheinlich sein dürfte. Die Mehrheitsverhältnisse im Repräsentantenhaus sind für die Anleger von besonderer Bedeutung, da nur Abgeordnete im Repräsentantenhaus Gesetzesvorlagen zu Steuervorschriften einbringen können.

Derweil befassen wir uns in dieser Studie mit dem Zustand der US-Politik und den längerfristigen Implikationen der jüngsten Turbulenzen. Im Einzelnen werden wir folgende Themen behandeln:

I. Demokratie in Amerika im Jahr 2016
II. Eine Nation im Wandel
III. Aktueller Stand des Wahlkampfs und der Wahlprognosen
IV. Implikationen für die Märkte in den kommenden Wochen und Monaten

Demokratie in Amerika

Demokratie in Amerika im Jahr 2016

Seit mehreren Legislaturperioden kritisieren die US-Wähler verständlicherweise, dass die Politik in Washington chronisch unfähig scheint, ihre Hausaufgaben zu erledigen. In den vergangenen Jahren wurde diese Kritik immer lauter.

Zustimmungsraten zum Kongress nahe an historischen Tiefständen

Eine gespaltene Regierung: Ursachen und Auswirkungen

Die Gründe für diese Unzufriedenheit sind leicht auszumachen. Gemessen an verschiedenen Maßstäben hat die politische Führung in Washington nie zuvor so holprig funktioniert. Begründet wird dies damit, dass Weißes Haus und Kongress von unterschiedlichen politischen Kräften kontrolliert werden. In 16 der vergangenen 24 Jahre amtierte ein Demokrat im Weißen Haus. Im Repräsentantenhaus hatten dagegen seit 1994 – dem Jahr, in dem Newt Gingrich die fast 40-jährige Vorherrschaft der Demokraten in der ersten Kammer des Kongresses beendete – zumeist die Republikaner eine Mehrheit. Diese Feststellung wirft jedoch weitere Fragen auf. Schließlich sah die Rollenverteilung in nicht allzu ferner Vergangenheit noch ganz anders aus. Von 1968 bis 1992 siegten die Republikaner in der Regel im Kampf ums Weiße Haus, schnitten aber auf dem Capitol Hill schlecht ab. Dennoch gestand der Kongress Richard Nixon im Jahr 1970 die Möglichkeit zu, Löhne und Preise einzufrieren. Auch Ronald Reagan konnte in den Achtzigerjahren seine wirtschaftspolitische Wunschliste umsetzen.

Amerikas Gründerväter achteten sorgfältig darauf, dass auf keinen Fall eine einzelne Person oder ein Regierungszweig zu viel Macht gewinnen kann, und legten daher besonderen Wert auf „Checks and Balances“. So wurde im Parlament das Zweikammersystem eingeführt. Im Repräsentantenhaus orientiert sich die Zahl der Abgeordneten jedes Bundesstaats an der Bevölkerungszahl und gewählt wird alle zwei Jahre.

Dem steht der Senat gegenüber. Die sechsjährigen, einander überlappenden Amtszeiten im Senat sollen eine gewisse Bremswirkung haben und überstürzte Entscheidungen verhindern. Da alle Bundesstaaten von zwei Senatoren vertreten werden, können sich auch kleinere und bevölkerungsärmere Staaten in Washington Gehör verschaffen. Daraus ergeben sich einige Merkmale des politischen Systems in den USA, die dem ausländischen Beobachter seltsam vorkommen mögen.

Einige Besonderheiten der Demokratie in Amerika

Das amerikanische Wahlsystem ist reich an Eigentümlichkeiten. Das stellte die Welt bei den Wahlen im Jahr 2000 deutlich fest, bei denen Al Gore zwar landesweit die Stimmenmehrheit gewann, aber die Präsidentschaftswahl dennoch verlor, nachdem der Supreme Court eine Neuauszählung in Florida stoppte. In den meisten Bundesstaaten werden die Wahlleute nach dem „Winner-Takes-All“-Prinzip in das Wahlmännerkollegium („Electoral College“) entsendet, das dann den Präsidenten und den Vizepräsidenten wählt. (Dies gilt nicht für Maine und Nebraska, wo einige Wahlleute auf der Ebene der Kongresswahlkreise gewählt werden.)

Einige andere Besonderheiten der amerikanischen Demokratie sind bei externen Beobachtern gegebenenfalls weniger bekannt. Die Zahl der ins Electoral College entsendeten Wahlleute entspricht der Gesamtzahl der Senatoren und Abgeordneten. Da jeder US-Bundesstaat – ungeachtet seiner Bevölkerungszahl – über mindestens einen Abgeordneten und zwei Senatoren verfügt, kommen aus jedem Staat mindestens drei Wahlleute. Dadurch erhalten kleine, überwiegend ländliche Bundesstaaten einen leicht überproportionalen Einfluss.

Derzeit entsenden sieben der 50 Bundesstaaten nur einen Abgeordneten sowie die üblichen beiden Senatoren in den Kongress: Alaska, Delaware, Montana, North Dakota, South Dakota, Vermont und Wyoming. Wie die Karte zeigt, gibt es noch zahlreiche andere kleine oder spärlich besiedelte Staaten, in denen ein US-Senator weniger als eine Million Menschen vertritt.

Wohnbevölkerung in Millionen pro US-Senator

Die Auswirkungen dieser bundesstaatlichen Struktur sind natürlich im Gesetzgebungsverfahren noch viel größer als im Electoral College. Die Senatoren aus den kleinen Bundesstaaten wie z.B. Vermont haben genau dieselben Rechte wie Senatoren aus den bevölkerungsreichen Staaten, z.B. Kalifornien, Texas oder Florida. Insbesondere können sie das Gesetzgebungsverfahren deutlich verlangsamen, wenn sie ihre Zustimmung zu Entscheidungen verweigern, die einstimmig fallen müssen. Dies trägt zu dem Eindruck bei, dass in Washington nichts vorangehe.

Die Bürger von Washington, D.C. haben übrigens weniger Mitspracherechte als man glauben könnte. Weil die amerikanische Hauptstadt kein Bundesstaat ist, verfügt sie über keine Stimme im Senat und darf nicht einmal ihre eigenen Angelegenheiten regeln. Sie darf allerdings nicht stimmberechtigte Abgeordnete ins Repräsentantenhaus entsenden und verfügt über drei Stimmen im Electoral College.

Gründe für den scheinbaren Stillstand in Washington

Die Demokraten haben durchaus eine Chance, wieder eine Mehrheit im Senat zu gewinnen. Aber ganz gleich, wer bei den Präsidentschaftswahlen siegt – er oder sie wird wahrscheinlich mit einer republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus konfrontiert sein. Unseres Erachtens ist es zu früh, um darüber zu spekulieren, wie dies in der Praxis funktionieren könnte. Einerseits verändert sich Amerika in der Tat; mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Andererseits spielen auch die jeweiligen Persönlichkeiten und ihr Führungsstil eine Rolle. Dies gilt auch für Präsident Obama, der sich ungewöhnlich stark aus dem Gesetzgebungsverfahren herausgehalten hat. Ein Blick auf das Repräsentantenhaus legt nahe, dass es kaum noch ordnungsgemäß als Gesetzgebungsorgan funktioniert hat, seit die Republikaner in ihm über eine Mehrheit verfügen.6 Manche Kommentatoren, z.B. der Politikwissenschaftler Thomas Schaller, gehen noch weiter. In seinem Buch The Stronghold argumentiert er, dass Gingrich und nicht der viel gefeierte Ronald Reagan als wichtigster republikanischer Politiker des späten zwanzigsten Jahrhunderts in Erinnerung bleiben sollte.7 Dieser Auffassung zufolge haben die Veränderungen, die Newt Gingrich und andere Politiker seit den Neunzigerjahren angestoßen haben, die Anreize für republikanische Politiker dauerhaft verändert. Als historische Betrachtung mag das zutreffen. Nur hat Gingrich sein Amt alsSprecher des Repräsentantenhauses ja bereits im Jahr 1998 zurückgelegt, also vor knapp 20 Jahren. Seither hat sich viel geändert.

Eine Nation im Wandel

Unter demografischen Gesichtspunkten ändert sich Amerika. Die älteren Bevölkerungsschichten sind immer noch überwiegend weiß (oder kaukasisch, um den bei der Volkszählung („Census“) verwendeten Begriff zu benutzen). Bei Kindern unter fünf Jahren stellen dagegen andere ethnische Gruppen bereits die Mehrheit.8

In den kommenden Jahrzehnten wird die US-Bevölkerungszusammensetzung zunehmend heterogener

Demographischer Wandel und Wahlpolitik

Ausländische Leser werden bis zum 8. November sicherlich noch viel zu diesem Thema hören. Tendenziell wählen Angehörige von Minderheiten mit großer Mehrheit die Demokraten. Mit zahlreichen Äußerungen, die auf heftige Ablehnung stießen, scheint Donald Trump die Lage für die Republikanische Partei noch erschwert zu haben.

Unseres Erachtens sollte die Bedeutung des demografischen Wandels nicht überbewertet werden. Vielmehr sollte man im Hinblick auf mögliche demografische Vorteile für Hillary Clinton vorsichtig sein; auf diese Frage gehen wir weiter unten bei unseren Ausführungen zum Stand des Wahlkampfs noch genauer ein.

Der demografische Wandel hat aber bereits eine Folge, die deutlich zu spüren ist. Minderheiten und jüngere Wähler neigen dazu, sich nicht an den Wahlen zur Mitte der Amtsperiode zu beteiligen, wenn alle Mandate im Repräsentantenhaus und ein Drittel der Sitze im Senat neu vergeben werden. Wenn auch der Präsident zur Wahl steht, ist die Wahlbeteiligung deutlich höher. Daher ist die Zusammensetzung der Wählerschaft ganz anders – jünger und heterogener bei Präsidentschaftswahlen, weißer und älter bei Wahlen zur Mitte der Amtsperiode. Unter anderem deshalb sind die Anreize im Wahlkampf für den Kongress anders als für den Präsidenten.

Unterschiedliche Wahlbeteiligung bei Präsidentschaftswahlen bzw. Wahlen zur Mitte der Amtszeit.

Klare Trennlinien

Zudem spielt die Tatsache eine Rolle, dass die Amerikaner in immer homogeneren Wohnvierteln leben. Bill Bishop bezeichnete dieses Phänomen in seinem Buch aus dem Jahr 2008 mit dem Begriff The Big Sort und verwendete den vielsagenden Untertitel: Why the Clustering of Like-Minded America is Tearing Us Apart.9 Seine provozierende These lautet – kurz gefasst –, dass sich die Amerikaner bei der Ernährung ebenso wie in Fragen der Lebensauffassung und Religion zunehmend voneinander abschotten. Und dies scheint auch für ihr Abstimmungsverhalten bei Wahlen zu gelten.

Die Einwohner ganzer Viertel wählen verstärkt dieselbe Partei, und das Verständnis dafür schwindet, wie die andere Hälfte der Wähler denken und leben.

Dadurch hat sich ein seit langem bestehendes Problem der amerikanischen Demokratie noch verschärft. Die Wahlkreise für das Repräsentantenhaus werden alle zehn Jahre neu zugeschnitten, um veränderten Bevölkerungszahlen gerecht zu werden. Zum bisher letzten Mal geschah dies anhand der Ergebnisse des Census 2010. In den meisten Bundesstaaten können die Wahlkreise klar einer Partei zugeordnet werden. Seit den Achtzigerjahren ist es dank besserer und preiswerterer Kartierungssoftware immer einfacher geworden, die Wahlkreise zu manipulieren.

Warum die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verteidigen dürften

Sofern sie an der Macht sind, neigen beide Parteien dazu, die Wahlkreise rücksichtslos nach ihren jeweiligen Präferenzen zuzuschneiden („gerrymandering“), um sich möglichst große Vorteile bei den Wahlen zu verschaffen. Daher widerspricht die geografische Gestalt vieler Wahlkreise jeglicher Logik. Immer mehr Abgeordnete werden in Wahlkreisen gewählt, die fest in der Hand einer Partei sind. Daher haben sie bei Parlamentswahlen wenig zu fürchten. Anders sieht es allerdings aus, wenn sich ein innerparteilicher Konkurrent um den Wahlkreis bewirbt. Dadurch haben sich zum einen die Anreize für beide Parteien auf dem Capitol Hill und zum anderen die Arbeitsweise des Kongresses verändert.

Derzeit profitieren die Republikaner von dieser Situation, denn sie haben in den meisten bundesstaatlichen Parlamenten eine Mehrheit, die für den Neuzuschnitt der Wahlkreise zuständig sind. So konnten die Republikaner nach den Wahlen in den Jahren 2012 bzw. 2014 etwa 3,8 Prozent bzw. 4,4 Prozent mehr Sitze im Repräsentantenhaus einnehmen als es nach den nationalen Zahlen zu erwarten gewesen wäre.10 Dies ist nur zum Teil auf den Wahlkreiszuschnitt zurückzuführen; es spielt auch eine Rolle, dass die Demokraten vor allem von der städtischen Bevölkerung gewählt werden. Insofern werden die diesjährigen Wahlen zum Repräsentantenhaus aufschlussreich sein. In einigen wichtigen Bundesstaaten, insbesondere in Florida, wurde der Wahlkreiszuschnitt von den Gerichten dieser Einzelstaaten als verfassungswidrig kassiert. Daher dürfte in diesem Jahr eine größere Anzahl von Wahlkreisen heftig umkämpft sein.11

Dennoch scheinen die Demokraten derzeit nur eine geringe Chance auf eine Mehrheit im Repräsentantenhaus zu haben. Unter anderem könnten die Wähler ihre Stimmen auf verschiedene Parteien verteilen, wenn Clinton in den Umfragen mit einem großen Vorsprung führt. Manche Wähler könnten sich für sie als Präsidentin entscheiden und dann bewusst einen Republikaner in den Kongress wählen, um ein Gegengewicht zu schaffen.

Bevor die Anleger jedoch darauf setzen, sollten sie den Stand des Wahlkampfs und den Stand der Wahlprognosen in den USA noch einmal genau in den Blick nehmen.

Aktueller Stand

Aktueller Stand des Wahlkampfs und der Wahlprognosen

Können Sie sich noch an die Zeit erinnern, als immer über die Wettervorhersage gewitzelt wurde? Wenn Sie über dreißig sind, dann wahrscheinlich ja. In den vergangenen 40 Jahren sind die Wettervorhersagen immer zutreffender geworden.12 Warum dies der Fall ist, erläutert Nate Silver in einem Kapitel seines faszinierenden Buchs The Signal and the Noise: Why So Many Predictions Fail – but Some Don't. Darin befasst er sich mit Vorhersagen für alle möglichen Ereignisse, von Wirbelstürmen bis zu Aktienkursen.13

Bei politischen Prognosen in den USA hat sich eine ähnliche Entwicklung wie bei der Wettervorhersage vollzogen. Das ist gerade in diesem Jahr schwer zu glauben – schließlich lagen viele Prognostiker gleich mehrfach falsch. Entgegen vieler Erwartungen wurde Trump zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner und das Vereinigte Königreich stimmte für den Austritt aus der Europäischen Union. Tatsächlich jedoch sind die Quellen für Wahlprognosen im vergangenen Jahrzehnt sehr viel besser geworden. Nate Silver war einer der Vorreiter der datengetriebenen Analyse bei Wahlen (und davor bei Sportereignissen; auf diesem Gebiet haben quantitative Analysen nicht nur die Sportwetten, sondern den Sport selbst verändert14).

Warum sind einige Prognostiker besser als andere?

Silver stützt sich unter anderem auf die bahnbrechenden Arbeiten des politischen Psychologen Philipp Tetlock. Dieser versuchte mit Hilfe verschiedener, von 1984 bis 2003 durchgeführter Prognoseturniere, zwei Fragen zu klären. Erstens: Wie gut schnitt der durchschnittliche Politikexperte bei der Erstellung von Prognosen ab? Und zweitens: Waren einige Experten bessere Prognostiker als andere?

Die Antworten auf beide Fragen fielen recht überraschend aus. Eine große Anzahl hoch bezahlter Experten waren bei der Erstellung von Prognosen nicht besser als ein Algorithmus, der eine zufällige Wahrscheinlichkeitsverteilung vornahm. Tetlock fand dafür den provokanten, wenn auch nicht besonders taktvollen Vergleich, dass der durchschnittliche Experte bei der Erstellung von Prognosen nicht besser abschneide als ein Pfeile werfender Schimpanse. Dies lenkte die Aufmerksamkeit von seinem zweiten und wohl bedeutsameren Ergebnis ab. Manche Experten erwiesen sich als recht gute Prognostiker, und diese Gruppe schien ganz bestimmte kognitive Eigenschaften aufzuweisen.15

Tetlock bezeichnete diese guten Prognostiker als „Füchse“. Den Begriff entlehnte er aus dem unterhaltsamen kleinen Essay Der Igel und der Fuchs von Isaiah Berlin (1950), der seinerseits auf ein Fragment des altgriechischen Soldaten und Dichters Archilochos zurückgriff: „Der Fuchs weiß viele Dinge, aber der Igel weiß ein großes Ding.“ Nate Silver ist ein gutes Beispiel für einen Fuchs: Er stützt sich auf zahlreiche Quellen, hat wenige vorgefasste Meinungen und beobachtet frühere Prognosen diszipliniert, um Fehlerquellen zu entdecken. So steigt die Treffgenauigkeit im Lauf der Zeit. Mit anderen Worten: Er ist bereit, seine Auffassung immer dann zu ändern, wenn die Daten dies nahelegen, aber nicht zu häufig.

Tetlock vermutete, dass ein solches Vorgehen für Prognosen in zahlreichen Bereichen nützlich sei. Nach Beispielen in Silvers Buch zu urteilen scheint dies in der Tat der Fall zu sein. Tetlock war auch der Auffassung, dass sich diese Eigenschaften erlernen ließen und dass die Gesamtleistung noch verbessert werden könnte, wenn gute Prognostiker in Teams zusammenarbeiteten. Er fasst seine Ergebnisse in dem kürzlich erschienenen und gut lesbaren Buch Superforecasting: The Art and Science of Prediction zusammen (die Lektüre ist allen zu empfehlen, die Prognosen erstellen und besonders denen, die anderer Leute Geld verwalten).

Jüngste Prognosefehlschläge und ihre Ursachen

Wenn dem so ist – warum haben sich dann so viele Menschen in Bezug auf Donald Trump oder auch auf den Brexit so grundlegend geirrt? Silver beantwortete diese Frage im Mai in einem Beitrag auf der von ihm ins Leben gerufenen und gepflegten Internetseite FiveThirtyEight: „How I Acted Like A Pundit And Screwed Up On Donald Trump.“18 Die meisten Experten, die man so im Fernsehen sieht, weisen genau die entgegengesetzten kognitiven Eigenschaften auf wie Füchse.

Um bei Tetlocks Terminologie zu bleiben, handelt es sich bei einem typischen TV-Experten um einen Igel – also jemanden, der eine oder wenige grundlegende Thesen, Konzepte oder Grundüberzeugungen verinnerlicht hat und diese auf jedes Prognoseproblem anwendet, das sich ihm stellt. Wenn die Prognose nicht eintrifft, verfeinern die Igel ihre einmal erstellte Analyse immer weiter – auch, wenn sich die Belege dafür häufen, dass sie sich irren könnten. Und was noch schlimmer ist: Eventuell vermeiden sie sogar Tests, deren Ergebnis belegen könnte, dass ihre Lieblingsprognose falsch ist.

Silver erläutert, dass er Trump vor allem aufgrund dieses Phänomens viel zu lange unterschätzt habe. Die Meinungsumfragen deuteten in der Tat darauf hin, dass Trump auf einem guten Weg war. Aber weil ein Sieg Trumps so unwahrscheinlich erschien, zögerte Silver, den Umfragen zu vertrauen. Im unten stehenden Kasten zeigen wir auf, dass er dafür gute Gründe hatte.

Wie ein Reality-TV-Star die Republikanische Partei übernahm

Erinnern Sie sich noch daran, wie sicher sich fast alle TV-Experten waren, dass Donald Trump schnell in der Versenkung verschwinden würde, sobald die Wahlgänge wirklich anfingen? Für diese traditionelle Auffassung gab es gute Gründe. Eine gute Zusammenfassung liefert das einflussreiche Buch The Party Decides der Politikwissenschaftler John Zaller, Hans Noel, David Karol und Marty Cohen aus dem Jahr 2008. Die Verfasser argumentieren, dass Außenseiter in den Vorwahlen in den einzelnen Parteien trotz allen Wirbels nur geringe Chancen haben.19

Alle potenziellen Kandidaten benötigen neben der Fähigkeit, die Wähler anzusprechen und für sich einzunehmen, eine gut gefüllte Kriegskasse oder eine enthusiastische Unterstützung seitens der Parteibasis oder einflussreiche Verbündete in den Parteimedien. Ideal ist es natürlich, wenn sie über alle drei Dinge verfügen. Noch bevor die Präsidentschaftskandidaten sich in Iowa (dem Bundesstaat, der traditionell als erster abstimmt) vorstellen, müssen sie eine „unsichtbare Vorwahl“ absolvieren. Dazu müssen sie sich mit Fernsehkommentatoren und politischen Experten auseinandersetzen, sich die Unterstützung anderer Politiker sichern und Geld auftreiben. Daher gewinnt in der Regel ein Kandidat, dem man einen Sieg bei den Präsidentschaftswahlen zutraut und der gleichzeitig mehr oder weniger mit der Parteilinie übereinstimmt. Den Eliten in einer Partei geht es ja letztendlich darum, die Macht zu erringen bzw. zu verteidigen. Und wenn sie sich entscheiden müssen, unterstützen sie eher wählbar erscheinende Kandidaten wie Mitt Romney oder John McCain als Konkurrenten, die ein Image als Brandredner haben.

Über diese Argumentation wurde im Jahr 2016 besonders intensiv diskutiert, als Trump an Boden gewann. Sein großspuriges Auftreten und seine Direktheit sicherten ihm Aufmerksamkeit in den Medien, so dass alle anderen 17 (ernst zu nehmenden) Kandidaten deutlich weniger Publicity bekamen. Und vor allem konzentrierte er sich auf einige Schlüsselthemen, von denen er zu Recht glaubte, dass sie bei der republikanischen Wählerbasis gut ankommen würden und mit denen sich seine Konkurrenten und andere Amtsträger nicht hinreichend befasst hatten. Dass er sich gegen den Freihandel aussprach, verschaffte ihm ein Alleinstellungsmerkmal. Den anderen Kandidaten fiel es schwer, den Wählern ein glaubwürdiges Gegenangebot zu machen, ohne dabei die Unterstützung der Wirtschaft zu verlieren.

In jeder anderen Hinsicht scheint Trump dazu bereit zu sein, seine Haltung zu ändern und immer die Position einzunehmen, die beim Publikum die stärkste emotionale Reaktion hervorruft. Das könnte ihn auch in der Endphase des Präsidentschaftswahlkampfs zu einem gefährlichen Gegner machen.

Nicht alle Faktoren wurden in den Umfragen erfasst. Vor allem gab es viele Indizien für die mangelnde Unterstützung durch die Partei. Trump schien bei den „unsichtbaren Vorwahlen“ recht schwach abzuschneiden. Das deutete darauf hin, dass er in der Versenkung verschwinden würde, sobald das Wahlverfahren tatsächlich anfing. Denn immerhin hatten sich die „unsichtbaren Vorwahlen“ in zahlreichen früheren Wahlkampagnen als durchaus aussagekräftig erwiesen.

Etwas Ähnliches war beim Brexit-Referendum zu beobachten. Die Umfragen im Vorfeld des Referendums trafen ziemlich gut zu; einem von der Financial Times veröffentlichten Durchschnittswert zufolge lag das Verhältnis zwischen Befürwortern und Gegnern vor der Abstimmung bei 50:50. Nur wollten viele Beobachter diesen Zahlen nicht trauen, und dafür hatten sie gute Gründe. Vor allem in den Wettbüros zeichnete sich ein klarer Vorsprung für einen Verbleib in der Europäischen Union ab. Die Wettbüros hatten das Abstimmungsverhalten im Vereinigten Königreich zuletzt präziser vorhergesagt als Umfragen (deren Ergebnisse im Vereinigten Königreich aus verschiedenen Gründen zuletzt wenig verlässlich waren).

Der aktuelle Stand des Wahlkampfs

Wo stehen wir also derzeit im US-Wahlkampf?

Zunächst sollten wir zwar ernst nehmen, was uns Modelle mit einer soliden Historie erzählen, aber ihnen nicht blind vertrauen. Im Falle der US-Präsidentschaftswahlen heißt dies: Angesichts früherer Ergebnisse ist es gerechtfertigt, ein gewisses Vertrauen in die Prognosen von Fivethirtyeight zu hegen, vor allem in die Polls-Plus-Prognosen, die sich auf eine Reihe gewichteter Umfragen sowie auf demografische, wirtschaftliche und sonstige Faktoren stützen, die sich in der Vergangenheit als zuverlässig erwiesen haben. Daraus ergibt sich derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 33 Prozent, dass Donald Trump zum neuen Präsidenten gewählt wird.20 Fivethirtyeight veröffentlicht auch Polls-Only-Prognosen für die USA insgesamt sowie für einzelne US-Bundesstaaten. Diese stützen sich hauptsächlich auf die nach Verlässlichkeit, Größe der Datenbasis und Aktualität gewichteten Umfragen und beziffern die Wahrscheinlichkeit eines Trump-Siegs auf 30 Prozent.21

Andere Modelle, z.B. das Upshot-Modell der New York Times, gehen von noch größeren Schwierigkeiten für Trump aus. Der Ansatz für die Upshot-Prognose ähnelt demjenigen für die Fivethirtyeight-Polls-Only-Prognose, verwendet aber eine andere Gewichtungsmethode für die Umfragen und geht bei der Einbindung von Trends, die sich in neuen Umfragen zeigen, etwas vorsichtiger vor. Das Modell siedelt die Wahrscheinlichkeit eines Trump-Wahlsiegs lediglich bei 18 Prozent an.22 Dieser deutlich niedrigere Wert ergibt sich wohl daraus, dass die Korrelation der Ergebnisse in wichtigen umkämpften Bundesstaaten („Swing States“) den Annahmen von Upshot zufolge geringer sein wird als im Fivethirtyeight-Modell prognostiziert. Dementsprechend wird es weniger wahrscheinlich, dass Trump die Wahlen durch eine Reihe überraschender Siege in Einzelstaaten für sich entscheiden kann.

Beträchtliche Unsicherheiten

All diese Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Donald Trumps Koalition unterscheidet sich nämlich grundlegend von derjenigen früherer republikanischer Kandidaten, sodass die Wahrscheinlichkeit von Fehlern in den Umfragedaten selbst (tendenziöse Stichprobenauswahl, Über-/Untertreibungen usw.) sowie bei der Anwendung nationaler Daten auf mögliche Swing States zunimmt.

Außerdem deuten die Umfragen auf eine relativ hohe Unterstützung für Gary Johnson hin; der ehemalige republikanische Gouverneur tritt als Kandidat der Libertarian Party an. Eventuell könnte dies dazu führen, dass er an den Fernsehdebatten teilnehmen darf. Dafür müsste er in den nationalen Umfragen stetig einen Anteil von 15 Prozent auf sich vereinen (zuletzt waren es rund neun Prozent). Auch Jill Stein, die Kandidatin der Grünen, die derzeit rund drei Prozent in den nationalen Umfragen erhält, ist ein Unsicherheitsfaktor.23 Da sowohl Trump als auch Clinton historisch niedrige Beliebtheitswerte aufweisen24 , lässt sich nur schwer vorhersagen, wer von beiden in wichtigen Swing States stärker durch die Kandidaturen von Johnson, Stein oder anderen alternativen Kandidaten in Mitleidenschaft gezogen werden wird.

Des Weiteren stellt sich die schwierige Frage, ob Clinton ihre Wählerschaft genauso effektiv mobilisieren kann wie Obama. Während der langen Auseinandersetzung mit Bernie Sanders in den Vorwahlen fiel es ihr schwer, die Unterstützung jüngerer Wähler zu gewinnen, die ein wichtiger Bestandteil von Obamas Bündnis waren. Zudem lässt sich nur schwer einschätzen, ob die Minderheiten im selben Umfang zur Wahl gehen werden wie bei der Wahl bzw. Wiederwahl des ersten afroamerikanischen Präsidenten. Dies könnte unter anderem davon abhängen, ob Trump im Wahlkampf künftig einen sanfteren Stil pflegt. In einem solchen Fall könnte auch Clintons Vorsprung bei den Wählerinnen schrumpfen.

Kurz, es bestehen zahlreiche Unsicherheiten, die eine große Bandbreite an plausiblen Prognosen rechtfertigen. Insbesondere sind zahlreiche Wähler noch unentschieden. Die Zahl der Unentschiedenen dürfte geringer werden, je näher die Wahlen rücken, so dass es dann leichter werden sollte, verlässliche Prognosen zu erstellen.

Implikationen

Implikationen für die Märkte in den kommenden Wochen und Monaten

Wie wird also der Rest des Wahlkampfs verlaufen? Und was könnte an den Märkten in den Wochen und Monaten bis zum Wahltag am 8. November 2016 und danach geschehen?


Die kurze Antwort lautet, dass sich das noch nicht sagen lässt. Den jüngsten Entwicklungen zufolge sind für die kommenden Wochen zwei recht plausible Szenarien zu erkennen:

1.Hillary Clinton behält einen nennenswerten Vorsprung in den Umfragen und liegt über weite Strecken des restlichen Wahlkampfs hinweg stetig vorn

Eine solche Entwicklung würde darauf hindeuten, dass die Demokraten Trump erfolgreich als nicht hinreichend qualifiziert für das Amt des Oberkommandierenden der Streitkräfte dargestellt haben. Erfahrungen aus der Vergangenheit legen nahe, dass die Auftritte der Kandidaten in den Fernsehdebatten nicht zu grundlegenden Umstürzen führen, sondern eher die bestehende Dynamik verfestigen dürften. Clinton verfügt über reichlich Erfahrung in Debatten mit einzelnen Gegnern. Allerdings könnte sich die Tatsache, dass Trump wahrscheinlich als Außenseiter auftritt, zu seinem Vorteil auswirken.

Wenn Clinton nach den Fernsehdebatten weiterhin vorn liegt, könnten die Märkte den Rest des Wahlkampfs als unwichtig ansehen. Einige Sektoren, die von einer Präsidentschaft Clintons in Mitleidenschaft gezogen werden könnten, z.B. das Gesundheitswesen oder Öl und Gas, dürften weiterhin schwach abschneiden, andere wie z.B. umweltfreundliche Energien könnten dagegen profitieren.

Insgesamt dürfte der Aktienmarkt eher von globalen Ereignissen und Spekulationen über die Fed-Politik beeinflusst werden als vom Wahlkampf. Wer allerdings damit rechnet, dass unter Clinton alles problemlos laufen werde, sollte noch einmal in Game Change nachlesen, einem im Jahr 2010 erschienenen Buch von John Heilemann und Mark Halperin, das wohl die beste Analyse des Wahlkampfs im Jahr 2008 ist – und gut darstellt, welche Turbulenzen während Clintons Wahlkampf stattfanden.25

2.Der Abstand in den Umfragen wird in den kommenden Wochen – mit gelegentlichen Ausschlägen zu beiden Seiten – geringer

In diesem Fall werden sich zahlreiche Beobachter zu der Frage äußern, ob sich der US-Markt einen politischen Schnupfen holt. Auch die Furcht vor einer neuen Überraschung im Oktober, z.B. die Veröffentlichung neuer, inkriminierender Mails durch WikiLeaks direkt vor den Wahlen, könnte Besorgnis auslösen.

Allerdings ist nicht sicher, dass ein Kopf-an-Kopf-Rennen die Marktstimmung spürbar dämpfen würde. Wenn Trump das Gefühl bekommt, dass ein Sieg in erreichbare Nähe rückt, könnte er möglicherweise weniger erratisch und drohend agieren und eher dazu geneigt sein, seine Positionen zu mäßigen. Es wäre auch durchaus möglich, dass die Marktteilnehmer von einer Präsidentschaft Trumps potenzielle positive Einflüsse erwarten, z.B. in Form von fiskalischen Impulsen oder Infrastrukturausgaben.

Wenn der Abstand zwischen beiden Kandidaten direkt vor dem Wahltag immer noch sehr gering ist, lässt sich mit guten Gründen davon ausgehen, dass die Prognosen (auch die guten) falsch liegen könnten. Da Trump Positionen vertritt, die für einen Kandidaten der Republikaner ungewöhnlich sind, könnten Bundesstaaten an ihn fallen, von denen dies bisher nicht erwartet wird. Bei einem knappen Wahlausgang in unerwarteten Staaten und angesichts der jüngst verabschiedeten, strikteren Wahlvorschriften (z.B. die Gesetze zur Identifizierung der Wähler) könnte sich zudem die Stimmenauszählung verzögern, und es könnte zu Anfechtungen des Ergebnisses vor Gericht kommen. Ein knapper Wahlausgang könnte die Märkte noch bis deutlich nach dem 8. November in Spannung versetzen. Dagegen spricht aber, dass die Demokraten sehr viel mehr in die Mobilisierung ihrer Wähler investiert haben.

Die weitere Zukunft

Und was geschieht nach dem 8. November? Vor allem: Was geschieht, wenn Trump gewinnt? Die kurze Antwort lautet: Derzeit lässt sich nur schwer sagen, was dies für die Wirtschaft und die Märkte bedeuten würde. Das Hauptproblem besteht darin, dass sich einfach nicht sagen lässt, was Trump wirklich will. Seine Impulsivität und Unvorhersagbarkeit ist wahrscheinlich ein entscheidender Faktor für seinen Erfolg. Trump ist dadurch zu einem Liebling der sozialen Medien weit über die USA hinaus geworden. Bereits im vergangenen Jahr wurden die Diskussionen über die Präsidentschaftskandidatur innerhalb der Republikanischen Partei in China über Nacht zu einem Interneterfolg. Auf Weibo, Chinas führender Microblogging-Seite, wurden Millionen Zugriffe verzeichnet, nachdem einige chinesische Studenten auf die schlaue Idee gekommen waren, die erste Diskussion am 6. August 2015 zu untertiteln. Einer von ihnen sagte, die Diskussion über die US-Präsidentschaftskandidatur anzusehen sei ganz ähnlich wie einem Fußballspiel zuzusehen. Andere lobten die unterhaltsamen Schlagabtäusche.26 Wenn man sieht, was auf dem Spiel steht, wird Trump den US-Wählern bald beweisen müssen, dass er sich tatsächlich so präsidial verhalten kann wie er es seinen Unterstützern seit langem verspricht.

Je näher der Wahltag rückt, desto klarer könnte die Situation werden. Dann sollten wir auch ein besseres Gefühl für die Zusammensetzung des Repräsentantenhauses und des Senats entwickeln können. Jetzt aber möchten wir mit drei Beobachtungen schließen.

Zwischenbilanz

Erstens könnte Trumps Kandidatur die Republikanische Partei dauerhaft verändern. Die Ära, während derer das Denken in republikanischen Kreisen von Persönlichkeiten wie Hayek bestimmt wurde, könnte langsam zu Ende gehen. Natürlich wird der Einfluss marktfreundlicher Denkschulen nicht über Nacht verschwinden. Jenseits der Präsidentschaftswahl, deuten die Vorwahlergebnisse dieses Jahres nicht darauf hin, dass eine breite Unterstützung für eine populistische Politik besteht. Aber auch wenn Trump verliert, werden zweifelsohne andere versuchen, seine Rezepte zu verwenden. Trumps Kandidatur hat die Unterstützung der Republikaner für den Freihandel bereits deutlich schwinden lassen – und dabei handelt es sich immerhin um eine einstmals zentrale Überzeugung republikanischer Politiker.

Seit Trump seine Kandidatur ankündigte, ist die Unterstützung der Republikaner für den Freihandel um 22 Prozent gesunken. Bei den Demokraten ist sie jedoch weiterhin bemerkenswert hoch

Zweitens sollten die Anleger zumindest so lange, bis sich der Staub gelegt hat, alte Faustregeln nur vorsichtig anwenden. In den vergangenen 36 Jahren tendierten die Republikaner verlässlich zu einer marktfreundlichen Angebotspolitik und entschieden in wirtschaftlich schwierigen Phasen pragmatisch über antizyklische Maßnahmen. Es ist nicht mehr so klar, ob dies auch künftig der Fall sein wird. Bei einem Sieg Trumps könnte sich z.B. der bestehende Druck im Kongress erhöhen, den Handlungsspielraum der Fed zu beschneiden. Insgesamt dürfte es schwieriger werden, den politischen Kurs vorher zu sagen. In ähnlicher Weise wurde Hillary Clinton durch das Vorgehen von Bernie Sanders nach links gedrängt. Es bleibt abzuwarten, ob sie eine erfolgreiche Wende durchführen und sich ein Mandat für eine unternehmensfreundliche Politik ähnlich derjenigen ihres Gatten sichern kann.

Drittens sollte man im Blick behalten, dass der Wahlkampf gerade erst begonnen hat. In Wahlkämpfen geschehen seltsame Dinge, wie CBS-Moderator John Dickerson in jedem seiner Whistlestop-Podcasts aufzeigt, die vor kurzem als Buch erschienen sind.27 Fürs Erste sollte man mit einem Urteil darüber, welche Wahlversprechen (oder Drohungen) die Anleger ernst nehmen und welche sie ignorieren sollten, vorsichtig sein.

1

1 Hayek, Friedrich (1945): „The Use of Knowledge in Society“, American Economic Review. XXXV, Nr. 4. S. 519-530

ref-2

2 Siehe: FiveThirtyEight: “Who will win the presidency?”, Stand: 08.09.2016

ref-3

3 Beispielsweise fand das Pew Research Center in einer Umfrage vom 09.08.2016 bis 16.08.2016 heraus, dass nur 31 Prozent der Befragten erwarteten, Hillary Clinton werde eine „großartige“ oder „gute“ Präsidentin. 45 Prozent erwarteten sie werde „schlecht“ oder „fürchterlich“. Bei Trump wählten nur 27 Prozent „großartig“ oder „gut“, während sich 55 Prozent für „schlecht“ oder „fürchterlich“ entschieden. (Der Rest der Befragten entschied sich für „durchschnittlich“ oder beantwortete diese Frage nicht.) Siehe: Pew Research Center (2016): “Clinton, Trump Supporters Have Starkly Different Views of a Changing Nation”

ref-4

4The Presidential Appointee Initiative, The Brookings Institution (2000): „Staffing a New Administration: A Guide to Personnel Appointments in a Presidential Transition“, The Brookings Institute, 1-30, S. 12

ref-5

5Siehe, z.B.: CQ Transcriptions/Morningside (15.10.2008): “October 15, 2008 Debate Transcript - The Third McCain-Obama Presidential Debate”, The Commission On Presidential Debates

6Siehe: Mann, Thomas E. und Ornstein, Norman J. (2013): „It’s Even Worse Than It Looks: How the American Constitutional System Collided With the New Politics of Extremism“, Basic Books; und Mann, Thomas E. und Ornstein, Norman J. (08.03.2016): „Republicans created dysfunction. Now they’re paying for it.“: The Washington Post

7Schaller, Thomas F. (2015): „The Stronghold. How Republicans Captured Congress but Surrendered the White House“, Yale University Press, p. xi.

8Siehe: Wazwaz, Noor (06.07.2015): „It’s Official: The U.S. is Becoming a Minority-Majority Nation. Census data shows there are more minority children under age 5 than whites.“, U.S. News & World Report

9Bishop, Bill (2009): „The Big Sort: Why the Clustering of Like-Minded America is Tearing Us Apart“, Mariner Books

10Siehe: Trende, Sean (05.01.2015): „The Myth of Democrats' 20-Million-Vote Majority“, RealClearPolitics

11Siehe: Steinhauer, Jennifer (28.08.2016): „Florida Contests Could Tip the Congressional Balance“, The New York Times

12Siehe: Neilley, Perter P. (24.08.2015): „Column: Forecasts Have Improved in the 10 Years Since Katrina, And We Hope Messaging Has Too“, The Weather Channel

13Silver, Nate (2012): „The Signal and the Noise: Why so Many Predictions Fail-but Some Don’t“, Penguin Books

14Lewis, Michael (2003): „Moneyball: The Art of Winning an Unfair Game“, W.W. Norton & Company

15Siehe: Tetlock, Phillip (2005): „Expert Political Judgment: How Good Is It? How Can We Know?“, Princeton University Press

16Berlin, Isaiah (2013): „The Hedgehog and the Fox: An Essay on Tolstoy’s View of History“, Princeton University Press, S.1

17Siehe: Gardner, Dan und Tetlock, Phillip (2015): „Superforecasting: The Art and Science of Prediction“, Crown

18Silver, Nate (18.05.2016): „How I Acted Like A Pundit And Screwed Up On Donald Trump“, FiveThirtyEight

19Siehe: Cohen, Marty et al. (2008): „The Party Decides: Presidential Nominations Before and After Reform“, Chicago Studies in American Politics, University Of Chicago Press

20FiveThirtyEight: “Who will win the presidency?”, Stand: 08.09.2016

21FiveThirtyEight: “Who will win the presidency?”, Stand: 08.09.2016

22Siehe: : Katz, Josh “Who Will Be President?”, The New York Times, Stand: 08.09.2016

23Siehe: RealClearPolitics: “General Election: Trump vs. Clinton vs. Johnson vs. Stein ”, Stand: 08.09.2016

24Siehe z.B.: RealClearPolitics: “Clinton: Favorable/Unfavorable”, und “Trump: Favorable/Unfavorable”, Stand: 08.09.2016, wobei Clinton per Saldo bei minus 13 Prozent und Trump bei minus 21.5 Prozent liegt.

25Siehe: Heilemann, John and Halperin, Mark (2010): „Game Change: Obama and the Clintons, McCain and Palin, and the Race of a Lifetime“, Harper Perennial

26Guo, Owen: „Bringing U.S. Presidential Debates to a Chinese Audience“, The New York Times, Stand: 03.01.2016

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