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Investmentampeln

Globaler Marktüberblick

Der August erwies sich nicht wirklich als letzter Urlaubsmonat für Investoren. Sie wären allerdings gut beraten, sich jetzt auf die zweite Hälfte der alten Börsenweisheit zu konzentrieren: "Sell in May and go away. But remember to come back in September." An den Aktienmärkten hatte sich im Sommer zugegebenermaßen eine gewisse Trägheit ausgebreitet. So erreichte zum Beispiel das Handelsvolumen für Aktien im MSCI World Index den niedrigsten Stand seit über 15 Jahren. Der Ertrag auf den S&P 500 lag im August bei gerade einmal 0,3 Prozent, weil sich der Indexstand unterm Strich kaum bewegte. Der August war damit nur der letzte einer ganzen Reihe von ungewöhnlich ruhigen Börsenmonaten. Das zeigt ein Blick auf die durchschnittliche monatliche Volatilität des S&P 500 (anhand des Vix) seit 1997. Von den acht Monaten dieses Jahres schaffen es sieben unter die Top 20 der am wenigsten volatilen Monate in den vergangenen zwanzig Jahren. Dass ausgerechnet der August 2017 dazu gehört, mag aufmerksame Zeitungsleser überraschen.

Die Schlagzeilen ließen kaum eine sommerliche Ruhephase vermuten. Zum Ende des Monats kam Hurrikan Harvey. Und schon Anfang August hatten sich die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel verschärft. Südkorea, ein wichtiges Glied im Welthandel, wäre stark betroffen, sollte das Säbelrasseln zwischen den USA und Nordkorea zu einem militärischen Konflikt eskalieren. Das ist nicht unser Basisszenario. Die erneute Eskalation dieses Konflikts trug jedoch dazu bei, den Vix auf den höchsten Stand seit November 2016 zu treiben und hat die Risikobereitschaft der Anleger gedämpft. Ob die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen aus diesem Grund erneut einbrach oder dies dem nach wie vor verhaltenen Inflationsausblick zuzuschreiben ist, ist schwer zu sagen. Aufgrund der gedämpften Inflation ist sicherlich mit einer weniger aggressiven Geldpolitik der Fed zu rechnen. Dies und positive Makrodaten ließen den S&P 500, gegen Monatsende beinahe erneut auf Rekordhöhen klettern. Das ist beachtlich, wenn man bedenkt, dass der Index seit Jahresbeginn um über 10 Prozent zugelegt hat. Aus europäischer Sicht erscheint dies allerdings weniger beeindruckend, da der Index in Euro einige Prozentpunkte eingebüßt hat. Der starke Euro ist auch mitverantwortlich für die glanzlose Performance europäischer Indizes im August.

Aber ganz so schnell wie in den letzten Monaten dürfte es unserer Einschätzung nach nun weder mit dem US-Dollar nach unten noch mit dem Euro nach oben gehen. Das ist einer der Gründe, warum wir unverändert europäischen Aktien gegenüber US-Aktien den Vorzug geben. Ironischerweise hat zwar ausgerechnet Hurrikan Harvey dazu beigetragen, im September eine finanzielle Lahmlegung der US-Regierung zu vermeiden. Diese Diskussion könnte aber zum Jahresende wieder aufflammen. Außerdem fürchten wir, dass bei US-Aktien bereits viele Hoffnungen in den Kursen enthalten sind und im Herbst eher mit einem Rückschlag als mit weiteren Kurssprüngen zu rechnen ist. Europäische Aktien könnten dagegen von der – auch ansatzweisen – Erfüllung der Wahlversprechen des französischen Präsidenten Macron profitieren. Die Bundestagswahl am 24. September sollte zumindest nicht schaden – immerhin verspricht sie noch mehr Gewissheit über die weitere Politik der Bundesregierung. Wir gehen von einer Fortsetzung der Großen Koalition aus.

Vor diesem Hintergrund dürfte sich die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer gegen Jahresende erneut auf die Zentralbanken richten. Fed und EZB werden am 20. September bzw. am 26. Oktober trotz wenig greifbarer Anzeichen steigender Inflation ihre weiteren Pläne zur Normalisierung der Geldpolitik verkünden.

Veränderungen in der Positionierung

Wir rechnen insgesamt mit einer Fortsetzung des synchronen Wirtschaftswachstums in Industrie- und Schwellenländern. Auch wenn die Inflation eher verhalten bleibt, dürfte ein robuster US-Arbeitsmarkt die Fed zu einer weiteren Zinserhöhung in diesem Jahr veranlassen. Bei der EZB sollten die kommenden Monate mehr Klarheit über den geplanten Ausstieg aus den Anleihekäufen bringen. Eine Verlängerung des Zeitraums für den Ausstieg über 2018 hinaus halten wir für unwahrscheinlich, während wir den Beginn für Januar 2018 erwarten. Daher bleiben wir bei 10- und 30-jährigen US-Staatsanleihen vorsichtig, bei 2-jährigen hingegen neutral. Bereits Mitte August hatten wir UK-Staatsanleihen (10 Jahre) aufgrund steigender Inflation heruntergestuft. Aber aufgrund der aggressiven Mitteilung der Bank of England vom 14. September machten 10-jährige UK-Staatsanleihen einen Sprung nach oben; ihre weitere Sprungkraft dürfte somit begrenzt sein. Daher sind wir wieder neutral. Bei Bundesanleihen bleiben wir bei unserer strategischen Einschätzung, dass die Zinsen steigen dürften. Aus taktischer Sicht warten wir für 10- und 30-jährige Bundesanleihen auf einen besseren Einstiegspunkt, da ein starker Euro und reduzierte EZB-Inflationserwartungen für 2018 und 2019 Staatsanleihen belasten könnten.

Bei Unternehmensanleihen haben wir unsere positive Einschätzung für US-Hochzins- und Investment-Grade-Anleihen auf neutral zurückgestuft. Der Grund dafür ist unsere Sorge, dass einige der in diesem Jahr noch anstehenden Ereignisse als negative Katalysatoren für Spreads wirken könnten: die Sitzungen von Fed und EZB, die Debatte über die Nachfolge von Janet Yellen als Fed-Präsidentin und die Schuldenobergrenze des US-Haushalts. Bei Euro-Unternehmensanleihen bleiben wir für Investment Grade positiv, stufen Hochzinsanleihen aber auf neutral zurück, da wir mit umfangreichen Neuemissionen rechnen, die zusammen mit Kapitalabflüssen, geopolitischen Unsicherheiten und einem relativ hohen Bewertungsniveau die Gefahr einer Korrektur erhöhen. US-Kommunalanleihen stufen wir von neutral auf negativ zurück, da die Bewertungen vor allem für kürzere Laufzeiten teuer geworden sind.

Alle wichtigen Währungspaare bleiben taktisch neutral, da die Kombination aus Zinsunterschieden, Wirtschaftsdaten, Politik und Risikogeschäften einander entweder ausgleichen oder es erschweren, kurzfristige Trends vorherzusehen.

Bei den Aktienmärkten geben wir weiterhin Europa und den Schwellenländern, allen voran den asiatischen, den Vorzug. Für US-Aktien befürchten wir eine kurzfristige Korrektur, da die Aktien hoch bewertet sind und ihren jüngsten Höhenflug größtenteils der US-Dollar-Schwäche verdanken. Was einzelne Branchen betrifft bleiben wir bei einem unverändert prozyklischen Bias: IT, Grundstoffe und Finanzwerte sind übergewichtet, zinssensible Branchen wie Immobilien, Versorger und Telekommunikation untergewichtet.

Aktien*

  1 bis 3 Monate bis Juni 2018

Regionen

USA

Europa

Eurozone

Deutschland

Schweiz

Vereinigtes Königreich (UK)

Schwellenländer

Asien ex Japan

Japan

Lateinamerika

Sektoren

Basiskonsumgüter

Gesundheit

Telekommunikation

Versorger

Zyklische Konsumgüter

Energie

Finanzwerte

Industrie

Informationstechnologie

Grundstoffe

Immobilien

Anlagestil

Nebenwerte

Anleihen**

  1 bis 3 Monate bis Juni 2018

Staatsanleihen

US-Staatsanleihen (2 Jahre)

US-Staatsanleihen (10 Jahre)

US-Staatsanleihen (30 Jahre)

UK-Staatsanleihen (10 Jahre)

Italien (10 Jahre)1

Spanien (10 Jahre)1

Deutsche Bundesanleihen (2 Jahre)

Deutsche Bundesanleihen (10 Jahre)

Deutsche Bundesanleihen (30 Jahre)

Japanische Staatsanleihen (2 Jahre)

Japanische Staatsanleihen (10 Jahre)

Unternehmensanleihen

US-Investment-Grade-Anleihen

US-Hochzinsanleihen

EUR-Investment-Grade-Anleihen1

EUR-Hochzinsanleihen1

Asien-Unternehmensanleihen

Schwellenländer-Unternehmensanleihen

Besicherte und spezielle Bonds

Covered bonds1

US-Kommunalanleihen

US-Mortgage-Backed-Securities

Währungen

EUR vs. USD

USD vs. JPY

EUR vs. GBP

GBP vs. USD

USD vs. CNY

Schwellenländer

Schwellenländer-Staatsanleihen

Alternative Anlagen*

  1 bis 3 Monate bis Juni 2018

Infrastruktur

Rohstoffe

Immobilien (gelistet)

Immobilien (nicht gelistet) APAC

Immobilien (nicht gelistet) Europa

Immobilien (nicht gelistet) USA

Hedgefonds

Private Equity2

Erklärungen zu unserer taktischen und strategischen Sicht

Taktische Sicht:

  • Hier steht bei Anleihen die Kursentwicklung und nicht die Rendite im Vordergrund.

Strategische Sicht:

  • Bei Staatsanleihen steht hier die Rendite und nicht die Kursentwicklung im Vordergrund.

  • Die Pfeile beziehen sich bei Unternehmensanleihen und besicherten und speziellen Bonds (inklusive Pfandbriefen) auf den jeweiligen optionsadjustierten Spread.

  • Bei nicht in Euro denominierten Anleihen handelt es sich um den Zinsaufschlag (Spread) zu US-Treasuries. Bei in Euro denominierten Anleihen handelt es sich um den Spread zu Bundesanleihen.

  • Bei Schwellenländer-Staatsanleihen handelt es sich um den Spread zu US-Treasuries.

  • Die Entwicklung des Spread sowie die Zinsentwicklung beeinflussen den Anleihewert. Investoren, die rein von der Entwicklung des Spread profitieren wollen, müssen sich gegen das Zinsänderungsrisiko absichern.

Legende

Die taktische Sicht (1 bis 3 Monate)

  • Positiver Ausblick

  • Neutraler Ausblick

  • Negativer Ausblick

Die strategische Sicht bis Juni 2018

Aktienindizes, Wechselkurse und alternative Anlagen:

Der Steigungswinkel signalisiert, ob wir bei einem Aktienindex oder einem Wechselkurs eine Aufwärtsentwicklung, eine Seitwärtsentwicklung oder eine Abwärtsentwicklung erwarten.

Die Farbe der Pfeile signalisiert das Ertragspotenzial für Long-Only-Investoren.

  • Positives Ertragspotenzial

  • Die Gewinnchancen, aber auch das Verlustrisiko sind eher begrenzt

  • Negatives Ertragspotenzial

Anleihen:

Bei Staatsanleihen signalisiert der Pfeil die Erwartung eines Aufwärtstrends, Seitwärtstrends, Abwärtstrends. Bei Unternehmensanleihen, besicherten und speziellen Bonds sowie Schwellenländer-Anleihen beziehen sich die Pfeile auf einen optionsadjustierten Spread zu US-Staatsanleihen: steigender Spread, Seitwärtsbewegung, fallender Spread.

Die Farbe der Pfeile signalisiert die Kurschancen für Long-Only-Investoren

  • Positives Ertragspotenzial

  • Die Gewinnchancen, aber auch das Verlustrisiko sind eher begrenzt

  • Negatives Ertragspotenzial

Fußnoten:

* Stand: 08.09.2017

** Stand: 14.09.2017

1 Spread bezogen auf deutsche Bundesanleihen in Basispunkten

2 Diese Investment-Ampel-Indikatoren sind nur für existierende Private-Equity-Portfolios relevant

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