This website uses cookies in order to improve user experience. If you close this box or continue browsing, we will assume that you are happy with this. For more information about the cookies we use or to find out how you can disable cookies, see our Cookies Notice.

Chinas ökonomischer Balanceakt

Das Modell des kreditfinanzierten Wachstums stößt an Grenzen. Chinas Regierung muss auf strukturelle Reformen setzen.

Chinas Regierung reagierte mit Unverständnis. Erstmals seit 1989 senkte Moody’s die Bonitätsnote von Aa3 auf A1. Im Fokus standen bei der Neueinschätzung des Kreditrisikos im Mai die steigenden Schulden im Reich der Mitte. Insgesamt kletterten die Schulden der Unternehmen, privaten Haushalte und des Staates, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, von Ende 2008 bis Ende 2016 von 141,3 auf 257,1 Prozent, wobei ein Großteil des Schuldenanstiegs auf die Staatsunternehmen und Lokalregierungen entfällt. # Der im Vergleich zur Wirtschaftsleistung sehr viel stärkere Anstieg der Schulden bewog Moody’s zu diesem Schritt. #

Gleichzeitig erklärte die Ratingagentur jedoch auch, dass der Rückgang der Kreditqualität nur graduell ist und durch eine Vertiefung der Reformen eingedämmt werden kann. Chinas Regierung reagierte mit Unverständnis auf die Abstufung. # Sie sieht keine Gefahr einer Schuldenkrise und verwies darauf, dass bereits Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsektors eingeleitet wurden. Die Gebietskörperschaften und Staatsunternehmen wurden angewiesen, ihre Schuldensituation zu analysieren und Konsolidierungsmaßnahmen in Angriff zu nehmen.

Weiter auf Schuldenkurs

China hatte in den Vorjahren das Ausgaben- und Kreditwachstum gebremst und damit zugleich das Investitions- und Wirtschaftswachstum geschwächt. Positiv ist zu werten, dass die Wirtschaft trotz der monetären Bremsung auf Wachstumskurs geblieben ist. Nach unserer Einschätzung dürfte das auch so bleiben. Allerdings könnte das Schuldenwachstum weiterhin über dem Wirtschaftswachstum liegen. Die Schuldenquote der Wirtschaftsakteure in China erhöht sich damit weiter, was zwingend Nervosität mit sich bringt.

Ziel der Regierung unter Premierminister Li Keqiang ist daher, durch Regulierung und Steuerung des Finanzsektors für Vertrauen zu sorgen. Zahlreiche Infrastrukturprojekte regionaler Gebietskörperschaften sowie eine lockere Geldpolitik führten zu einem Bauboom und zu Preissprüngen bei Immobilien. Durch verschärfte Kreditvergaberegeln und Zinserhöhungen haben die Regierung und die Notenbank damit begonnen, den Bau- und Preisboom einzudämmen.

Dies dämpfte in den vergangenen zwei Quartalen den Immobilienpreisanstieg in den Metropolen des Landes deutlich. Zudem rückte im vergangenen Jahr auch der Schattenbankensektor verstärkt ins Visier des Staates. Da Kreditausfälle zu Verunsicherung führen und die Realwirtschaft belasten könnten, steuert die Regierung gegen. Sie weiß jedoch, dass Maßnahmen zur Stabilisierung des monetären Bereichs allein nicht ausreichen, um das Reich der Mitte wirtschaftlich voranzubringen.

Stabilisierung plus Reformen

Mit der Bekämpfung der Korruption und mit strukturellen Reformen wird gleichzeitig versucht, die Realwirtschaft des Landes zu stärken. Seit 2014 gab es 1,16 Millionen Ermittlungsverfahren und 2016 erste Erfolge bei der Eindämmung der Korruption. # Im Hinblick auf strukturelle Reformen stehen die wenig rentablen Staatsunternehmen im Mittelpunkt. Sie sollen ihre Investitionspläne kürzen. Dadurch will die Regierung Überkapazitäten in Sektoren wie Stahl, Aluminium, Zement, Raffinierung von Erdöl oder Papier reduzieren und gleichzeitig Investitionsmittel freisetzen, die von wachstumsstarken Privatunternehmen genutzt werden können. Tatsächlich gab es in den vergangenen beiden Quartalen einen deutlichen Rückgang des Investitionswachstums bei den Staatsbetrieben, während die Privatunternehmen, auf die etwas mehr als die Hälfte der Investitionssumme entfällt, ihr Investitionswachstum ausdehnen konnten.

Fazit

Festhalten lässt sich, dass Chinas Führung das Tempo des Schuldenanstiegs zwar begrenzen, gleichzeitig aber die Entwicklung bei den Investitionen nicht belasten möchte. Zudem will die Regierung den Finanzsektor stärker regulieren, dabei aber nicht die Investitionsmittel für innovative Wirtschaftsbranchen behindern. "Dies gleicht einem Balance-Akt, bei dem der Umbau der Wirtschaft im Vordergrund steht", erklärt Xueming Song, Chefökonom Asien bei der Deutschen Asset Management. Die Wirtschaft muss auf Wachstumskurs gehalten und gleichzeitig der Schuldenanstieg gebremst werden. Notwendige strukturelle Reformen wie der Abbau von Überkapazitäten bremsen die Wirtschaft. Kreditfinanzierte Ausgaben sorgen für wirtschaftliche Belebung, erhöhen aber die Schulden.

Der Ausweg für Chinas Regierung: Kredite, die in sinnvolle Investitionen fließen und damit zu zusätzlichem Wachstum führen. Ein Blick auf die Relation von Investitionsquote zu Wachstum in verschiedenen Ländern zeigt, dass China bei der Verwendung von Investitionsmitteln im Schwellenländervergleich unterdurchschnittlich abschneidet. Einen weit besseren Platz belegt in diesem Punkt Indien. Es dürfte daher ein Ziel von Chinas Führung sein, die Investitionseffizienz deutlich zu erhöhen: schnelleres Wachstum durch besseren Einsatz der Investitionsmittel. Das sollte wiederum helfen, den Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Schuldenquote des Landes zu reduzieren.

Steigendes Schuldenniveau

Chinas Schuldenwachstum geht zurück. Das Problem: Die Schulden wachsen immer noch schneller als das nominale Bruttoinlandsprodukt.

Quellen: Internationaler Währungsfonds, Bank für Internationalen Zahlungsausgleich; Stand: 12.06.2017

Investitionseffizienz der Schwellenländer

Chinas Investitionsquote liegt bei 45 Prozent, das erwartete Wachstum bei 6,25 Prozent. Ziel Chinas ist es effizient zu investieren.

Quelle: Internationaler Währungsfonds; Stand: 12.06.2017

a1

Bank für Internationalen Zahlungsausgleich: Total Credit to the non-financial sector. 12.06.2017

a2

Moody's Investors Service: Rating Action: Moody's downgrades China's rating to A1 from Aa3 and changes outlook to stable from negative. 24.05.2017

a3

Bloomberg: China Hit by First Moody's Downgrade Since 1989 on Debt Risk. 24.05.2017

a4

The Japan Times: China anti-corruption dive has punished 1.2 million. 10.01.2017

Verwandte Einträge

23.02.2018 New Chart of the week

Chart of the week

Die Bewertung des S&P 500 ist ausgereizt. Jetzt müssen steigende Gewinne her

16.02.2018 Chart of the week

Chart of the Week

Konjunkturoptimismus treibt derzeit Rentenmärkte stärker als Inflationsangst.

13.02.2018 CIO Flash

Wir bleiben konstruktiv

Unsere Ziele für Dezember 2018, leicht angepasst.

09.02.2018 Aktien

Deutsche Aktien – was sonst?

Mit der Korrektur sind deutsche Aktien noch attraktiver geworden.

09.02.2018 Chart of the week

Chart of the week

Zurück zu alten Normalzuständen

07.02.2018 Makro-Ausblick

"Niedrig und langsam" – vorerst

Warum sich niedrige Arbeitslosigkeit nach wie vor auf Löhne und Preise auswirkt

06.02.2018 CIO Flash

Ein Stück mehr Normalität

Starker Jahresauftakt und Inflationssorgen lösen Korrektur aus. Wir bleiben optimistisch.

06.02.2018 Investment-Ampeln

Investmentampeln

Unsere taktische und strategische Sicht

26.01.2018 Chart of the week

Chart of the Week

US-Gewinnprognosen starten stark ins Jahr 2018

19.01.2018 Chart of the week

Chart of the week

Unsere Präferenz für deutsche Aktien, erklärt anhand des Dax Kursindexes

05.01.2018 Investment-Ampeln

Investmentampeln

Unsere taktische und strategische Sicht

22.12.2017 Makro-Ausblick

Bitte kein Bit-Coin

So genial die Idee, so offen seine Zukunft. Die liegt eben doch in Staatshand.

20.12.2017

CIO View in Kürze

Marktausblick 2018

15.12.2017 Chart of the week

Chart of the week

Staatsanleihen sind langweilig? Von Wegen!

07.12.2017 Fokus

Wann endet der Bullenmarkt?

Droht nach der langen Bergfahrt jetzt eine größere Korrektur?

07.12.2017 Anleihen

Auch bei Renten geht noch was

Unternehmens- und Schwellenländeranleihen in 2018 bevorzugt.

07.12.2017 Prognosen

Unsere Prognosen

Alle Prognosen auf einen Blick

07.12.2017 Makro-Ausblick

Was schiefgehen könnte

Obwohl von Inflation wenig zu merken ist, sollte sie genau beobachtet werden.

Feedback

Wir freuen uns über Ihr Feedback zu diesem Artikel oder zur aktuellen Seite.