Nachhaltige Finanzierung

Nachhaltige Investitionen weiter im Fokus

Als Branche spielt die Vermögensverwaltung viele Rollen. Zunehmend wichtiger wird ihr Beitrag zu einem "grüneren" Finanzsystem. Ein Finanzsystem, das ESG -Themen – ESG steht für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – und Themen wie den Klimawandel in Anlagestrategie, Risikomanagement, Asset-Allokation, Corporate Governance und Stewardship einbezieht. Aus Anlegersicht kann es durchaus Sinn machen, verstärkt in verantwortungsbewusste Unternehmen zu investieren, die sich gegenüber der Gesellschaft in der Pflicht sehen. So sollten im Zeitalter von Twitter und Verbraucherboykotten auch diese Aspekte bedacht werden, bevor man in ein Unternehmen investiert, was in Schwierigkeiten gerät.

Bei den Finanzaufsichtsbehörden rückt zunehmend in den Fokus, ob und in welchem Ausmaß Finanzinstitute in der Lage sind, sich mit den durch den Klimawandel entstehenden Risiken und allgemeinen Nachhaltigkeitsrisiken auseinanderzusetzen und ob sie dies auch tatsächlich tun. Dahinter steht der Gedanke, Investitionen in kohlenstoffarme und ressourceneffiziente Technologien zu unterstützen und längerfristige Ziele zu verfolgen. Dieser Trend erhielt im September 2015 einen besonderen Impuls, als der Gouverneur der Bank of England , Mark Carney, den Klimawandel als Bedrohung der Stabilität des Finanzsystems bezeichnete. Im selben Jahr wurde von den G20 -Staaten unter dem Dach des Finanzstabilitätsrats eine "Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD)" unter Vorsitz des früheren New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg gegründet. Sie arbeitete Empfehlungen aus, wie Unternehmen und Finanzinstitute über ihre Klimawirkung berichten sollen.

In Europa erhält nachhaltige Finanzierung durch den "Aktionsplan: Finanzierung nachhaltigen Wachstums ( EU SFAP; Sustainable Finance Action Plan )" der Europäischen Kommission zusätzlichen Aufwind. Darüber hinaus sind 15 Zentralbanken Mitglied des Network for Greening the Financial System , mit dessen Hilfe Best Practice im Bereich der aufsichtsbezogenen sowie der makroökonomischen Dimensionen von Klima- und Umweltrisiken identifiziert und der Anteil von "grüner" Finanzierung erhöht werden soll. Auch 20 Regulatoren von Versicherungen arbeiten im Sustainable Insurance Forum an dem Thema. So sind seit 2015 Zentralbanken, Pensionsfonds, Banken- und Versicherungsregulierer zu wichtigen neuen Akteuren geworden, die den Fokus des Finanzsektors stärker auf nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Investieren lenken.

Das Beispiel Europa

Das Beispiel Europäische Union (EU) ist besonders aufschlussreich. Eines der Ziele des EU SFAP besteht darin, Kapital in nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten zu leiten, um die Energie- und Klimaziele der EU bis 2030 zu erreichen. Hierzu gehören die Erhöhung des Anteils der erneuerbaren Energien (Sonne, Wind usw.) auf mindestens 27 Prozent des Energieverbrauchs und eine Senkung der Emission von Treibhausgas um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990. Nach Schätzungen müssen hierfür zusätzliche 180 Milliarden Euro pro Jahr aufgewendet werden. Laut Europäischer Investitionsbank erhöht sich bei Berücksichtigung aller Ziele in den Bereichen Energie, Transport, Wasser und Abfall der jährliche Finanzierungsbedarf auf 270 Milliarden Euro.

Der vor Ende des nächsten Jahres zu verabschiedende EU-Rahmen soll mit Hilfe neuer Normen und Kennzeichnungen für nachhaltige Finanzprodukte wie "grüne Anleihen" die Integrität und die Vertrauenswürdigkeit des Markts für verantwortungsvolles Investieren sicherstellen. Im EU-Jargon als "Nachhaltigkeitstaxonomie" bezeichnet, sollen mit dieser einheitlichen Klassifizierung nachhaltige Kapitalströme gemessen und Anlagen als "grün" oder "braun" eingestuft werden. Ein einheitliches Klassifizierungssystem dürfte auch die Entwicklung von Nachhaltigkeits-Benchmarks weiter antreiben und ihre Transparenz erhöhen.

Die Europäische Kommission schafft auch einen rechtlichen Rahmen, um Anlegerpflichten mit Blick auf Nachhaltigkeit und andere ESG-Themen klar zu definieren. Die EU will besonders in Bereichen wie Anlagestrategie, Risikomanagement, Asset-Allokation, Governance und Stewardship Orientierung bieten. So müssten zum Beispiel institutionelle Anleger und Vermögensverwalter offenlegen, wie sie ESG-Faktoren und klimawandelbezogene Risiken in ihrem Anlageprozess berücksichtigen. Vermögensverwalter müssten ihre Kunden explizit nach ihren Nachhaltigkeitsprioritäten fragen und erklären, wie Nachhaltigkeitsüberlegungen in ihre Anlageprodukte einbezogen werden.

Konsequenzen

All dies steckt die Rahmenbedingungen nachhaltiger Finanzierung ab. Das Beispiel Europa lässt erkennen, wie weitreichend die Konsequenzen sind.

Nehmen wir nur die Bemühungen um ein "grüneres" Finanzsystem durch das so treffend bezeichnete "Network for Greening the Financial System". Es besteht aus Vertretern der Zentralbanken und Finanzmarktaufsicht aus Industrie- und Schwellenländern. Bereits jetzt drängt es auf größere Offenheit der Unternehmen besonders im Bereich klimabezogener Risiken. Diese Offenheit sorgt nicht zuletzt für mehr Markttransparenz.

Was bedeutet dies alles? Wir erleben derzeit eine Koalition aus Akteuren in weniger und weiter entwickelten Ländern, die Maßnahmen zur Klassifizierung und Bewertung von Investitionen ergreifen und in einigen Regionen auch mit Hilfe von Gesetzen versuchen, Kapitalströme in nachhaltige Geldanlagen zu leiten. Ihre Ziele, die durch den Klimawandel entstehenden finanziellen Risiken beherrschbar zu machen und Transparenz sowie langfristiges Denken zu fördern, sind lobenswert. Obwohl einige Fragen der Umsetzbarkeit all dieser Entwicklungen in die Praxis offen bleiben, glauben wir, dass Anleger bei der Erarbeitung und Vorbereitung der Umsetzung dieser neuen Erwartungen beteiligt sein müssen. Bei der DWS wird die Integration wichtiger ESG-Faktoren weiter vorangetrieben und die Rolle der Nachhaltigkeit in unserem Investmententscheidungsprozess gestärkt. Für uns in der Vermögensverwaltung sind spannende Zeiten angebrochen.

Auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Wirtschaft

Quelle: Europäische Kommission (März 2018) Aktionsplan der Europäischen Kommission

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