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- Französische Verhältnisse
Gewinner und Verlierer der Wahlen zum Europäischen Parlament noch vorläufigen Stimmenanteilen
Quellen: Europe elects, DWS Investment GmbH; Stand: 19.06.2024
Auf den Märkten wie in der Politik zählen jedoch oft Wahrnehmungen mehr als Wahlrealitäten. Als der französische Präsident Emmanuel Macron beschloss, als Reaktion auf den zwar allgemein erwarteten, aber düsteren Absturz seiner Partei hin vorgezogene Parlamentswahlen auszurufen, gerieten sowohl die Aktien- als auch die Anleihenmärkte in Aufruhr. In gewisser Weise ist das durchaus verständlich. Die Staatsverschuldung Frankreichs liegt im Verhältnis zum BIP bei etwa 110 Prozent. Das Haushaltsdefizit betrug 2023 5,5 Prozent und wird auch in diesem Jahr voraussichtlich bei rund fünf Prozent liegen. Mit der Wiedereinführung der europäischen Haushaltsregeln (Staatsverschuldung unter 60 Prozent und Staatsdefizite unter 3 Prozent des BIP) wird Frankreich ein Verfahren bei einem übermäßigen Defizit (EDP) einleiten. S&P hat das Rating Ende Mai von AA auf AA- gesenkt. Nichts davon sollte jedoch für die Marktteilnehmer eine Neuigkeit gewesen sein. Ebenso wenig wie die inhärente Schwierigkeit, die Ergebnisse der zwei Runden der Parlamentswahlen zur Nationalversammlung (AN), der dominierenden Kammer des Parlaments, vorherzusagen.
Seit 2022 haben Macrons Renaissance-Partei und ihre Verbündeten keine Mehrheit in der AN. Durch ein Einheitspakt zwischen vier linken Parteien am Donnerstag laufen die Macronisten Gefahr, von vielen Stichwahlen am 7. Juli ausgeschlossen zu werden, bei denen es stattdessen zu reichlich Duellen zwischen einer ungewöhnlich geeinten Linken und Marine Le Pens rechtsextremem Rassemblement National (RN) kommen könnte. Obwohl wir sehr skeptisch sind, was die Aussichten der RN auf eine absolute Mehrheit angeht, besteht eine gute Wahrscheinlichkeit für ein weiteres Patt im Parlament. Nach der französischen Verfassung könnte der Präsident 12 Monate lang keine erneuten Neuwahlen ausrufen. Für die kommenden Wochen erwarten wir, dass die Volatilität hoch bleibt.